Brand der Kathedrale in Nantes

Verdächtiger bereut die Tat „bitterlich“

Von Michaela Wiegel, Paris
26.07.2020
, 11:38
Am 18. Juli ging die Kathedrale von Nantes in Flammen auf.
Der ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter war bereits vergangene Woche ins Visier der Ermittler geraten, jedoch wieder freigelassen worden. Bei einem zweiten Verhör gestand er nun die Tat. Es gibt auch erste Hinweise auf die Hintergründe.

Ein 39 Jahre alter ehrenamtlicher Kirchenmitarbeiter aus Ruanda hat in der Nacht zu Sonntag im Polizeiverhör gestanden, den Brand in der Kathedrale von Nantes gelegt zu haben. Er wurde in Untersuchungshaft genommen, ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren und eine Geldstrafe bis zu 150.000 Euro. Sein Anwalt Quentin Chabert sagte der Zeitung Presse-Océan, sein Mandant bedaure „bitterlich“ seine Tat.

Der Mann, dessen Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich nicht verlängert worden war, war direkt nach dem Brand von der Polizei verhört worden. Er trug die Verantwortung für die Schließung der Kathedrale. Der Verdacht fiel auf ihn, da keine Einbruchspuren gesichert werden konnten. Er wurde nach dem ersten Verhör in Polizeigewahrsam jedoch zunächst wieder auf freien Fuß gelassen.

Am Samstagabend ordnete der zuständige Staatsanwalt Pierre Sennès ein neues Verhör an, nachdem die Ermittlungen klar Brandstiftung als Ursache für das Feuer ergeben hatten. An drei verschiedenen Stellen, vor der großen Orgel sowie in den beiden Nebenschiffen, war das Feuer gelegt worden. Der Ruander war geständig. Hintergrund für die Straftat soll die Tatsache gewesen sein, dass seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert worden war.

Noch keine Schätzung zu Restaurierungskosten

Der Mann arbeitete seit vier Jahren als ehrenamtlicher Gemeindediener in Nantes. Der Rektor der Kathedrale, Hubert Champenois, sprach ihm nach dem Brand sein „volles Vertrauen“ aus. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Champenois, der Mann „liebe die Kathedrale“ und hätte sie niemals zerstören wollen. Die Vorgeschichte des aus Ruanda geflüchteten Mannes ist nicht bekannt. Er wurde seit seiner Ankunft in Frankreich von der Gemeinde versorgt und erhielt eine Unterkunft.

Nach dem Brand liegen Trümmer im Inneren der Kathedrale.
Nach dem Brand liegen Trümmer im Inneren der Kathedrale. Bild: Reuters/Stephane Mahe

Durch den schweren Brand in der Nacht zum Samstag vergangener Woche sind an der spätgotischen Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale schwere Schäden entstanden. Die Orgel, ein Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert, verbrannte vollständig. Auch ein großes Buntglasfenster in der Fassade sowie Gemälde wurden zerstört oder beschädigt. Eine Schätzung zu den Restaurierungskosten gibt es noch nicht.

In der Kathedrale in Nantes hatte es zuletzt 1972 gebrannt. Damals hatte ein Dachdecker mit seinem Schneidbrenner ein Feuer im Dachstuhl ausgelöst. Die Kirche war zwischen 1434 und 1891 im Flamboyant-Stil der Spätgotik erbaut worden.

Quelle: AFP
Autorenporträt / Wiegel, Michaela
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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