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FAZ plus Artikel„Cold Cases“

Keiner wird vergessen

Von Katharina Iskandar
Aktualisiert am 02.07.2020
 - 10:01
Durch ein anderes Delikt in den Fokus geraten: Der Mörder von Johanna Bohnacker konnte 18 Jahre nach der Straftat gefasst werden.
Moderne Ermittlungsmethoden ermöglichen es, neue Spuren in vermeintlich unlösbaren Kriminalfällen zu entdecken. In Hessen werden „Cold Cases“ jetzt systematisch aufgerollt.

Andrea Lange kennt diesen Geruch nach altem Papier. Auf dem die Schrift vergilbt ist, fast bis zur Unkenntlichkeit verblasst. Hunderte Seiten. Sie alle erzählen eine Geschichte. Es ist die Geschichte vom Tod. Und sie kennt diesen besonderen Moment, wenn man als Ermittler in die Asservatenkammern kommt, auf der Suche nach einem alten Fall. Viele Jahre ist er manchmal nicht mehr angerührt worden, obwohl die Akte nie geschlossen war. „Und dann sieht man plötzlich die Kleidung, die das Opfer damals getragen hat. Man findet alte Aufzeichnungen, Skizzen, Vernehmungsprotokolle von Zeugen und manchmal sogar von Verdächtigen. Man blickt in die Vergangenheit, auf ein Verbrechen, das niemals aufgeklärt worden ist. Dann überkommt einen die Hoffnung, dass es diesmal vielleicht gelingt.“

Cold Cases – eigentlich mag Andrea Lange diesen amerikanischen Ausdruck nicht. Aber es gebe keinen Begriff, der das, was sie Tag für Tag beschäftigt, ähnlich gut umschreibt. Altfälle, das klingt nach „alt“ und „verstaubt“. Ungeklärte Fälle, das klingt nach Bürokratie. Also bleibt sie bei „Cold Cases“, von denen es in Hessen noch mehrere Dutzend gibt. Und Andrea Lange ist die Frau, die diese Fälle in Hessen wieder aufrollen will.

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Ungeklärte Mordfälle

Die Aufklärung des Mordes an der acht Jahre alten Schülerin Johanna Bohnacker vor zwei Jahren hat gezeigt, wie viel Energie Polizei und Staatsanwaltschaft für einen sogenannten Cold Case aufwenden können, wenn es neue Hinweise gibt. In diesem Fall war der Täter, 18 Jahre nach dem Tod des Mädchens, durch ein anderes Delikt abermals in den Fokus der Ermittler geraten. In anderen Fällen hilft die moderne Kriminalwissenschaft. Über den Mord an Johanna Bohnacker hinaus gibt es aber noch viele weitere Tötungsdelikte und Vermisstenfälle, die die Ermittler seit Jahren beschäftigen. Der wohl bekannteste Fall ist der Mord an dem 13 Jahre alten Tristan Brübach, der im März 1998 in einer Unterführung in Frankfurt-Höchst getötet worden war. Allerdings ist dieser auch mit der schwierigste, weil es bis auf ein Phantombild und einen blutigen Fingerabdruck kaum Spuren und keine konkreten Hinweise auf einen Täter gibt. Weiterhin ungeklärt ist auch der Fall des „Mädchens aus dem Main“. Die Leiche der etwa 16 Jahre alten Jugendlichen war, an einen Schirmständer gebunden, am 31. Juli 2001 am Mainufer in Frankfurt-Nied gefunden worden. Isotopenanalysen ergaben, dass das Opfer ursprünglich aus Indien, Afghanistan oder Pakistan stammt. Die Frankfurter Polizei weitete ihre Ermittlungen in diese Länder aus, aber ohne Erfolg. Ungeklärt ist zudem der Mord an Fernanda Marques Pires da Fonseca. Sie wurde am 23. Juni 2004 in einer Arztpraxis in Frankfurt erschossen. Bis heute beschäftigt die Polizei in Wiesbaden zudem das Verbrechen an der 13 Jahre alten Melanie Frank. Am 16. Juni 1999 war die Schülerin als vermisst gemeldet worden, am 20. August 2008 fanden Waldarbeiter ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück bei Kisselbach im Rhein-Hunsrück-Kreis. Bis heute vermisst wird außerdem Annika Seidel. Die damals elf Jahre alte Schülerin war am 10. September 1996 gemeinsam mit ihrer Mutter in der Kelkheimer Innenstadt unterwegs und wollte auf dem Heimweg noch eine Tierhandlung aufsuchen. Danach wurde sie nicht mehr gesehen. isk.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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