Trio unter Verdacht

„Infizierte Grüße“ an Darmstadts Bürgermeister

Von Sonja Jordans, Darmstadt
03.02.2021
, 14:38
Im vergangenen Sommer erhielt Darmstadts Oberbürgermeister Partsch ein Paket mit vermeintlich corona-kontaminierten Masken. Zwei Frauen und ein Mann werden nun verdächtigt. Die Motive der Absender sind weiter unklar.

Die Polizei hat drei Personen ermittelt, die im Verdacht stehen, im vergangenen Sommer ein Paket mit beschmutzten Masken an Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) gesendet zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Mittwoch mitteilte, handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann, sie stammen aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg und nicht aus der Stadt Darmstadt.

Eine 24 Jahre alte Frau aus Reinheim hat den Ermittlungen zufolge das Paket in einem Laden mit angeschlossener Packstation an ihrem Wohnort aufgegeben. Ein Achtunddreißigjähriger aus Groß-Zimmern und eine 45 Jahre alte Frau aus Alsbach-Hähnlein seien verdächtig, beim Einsammeln der Masken und beim Packen des Pakets beteiligt gewesen zu sein.

„Mit infizierten Grüßen“

Im Büro des Darmstädter Oberbürgermeisters war im Juli ein Paket mit augenscheinlich verschmutzten Mund-Nase-Masken eingegangen, dazu ein Schreiben mit den Worten „mit infizierten Grüßen“. Eine Mitarbeiterin hatte das Paket geöffnet, Partsch selbst war nicht anwesend. Später hatte er als Adressat des Päckchens Anzeige erstattet. Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Verpackung und Masken nicht mit Viren infiziert waren. Auch die Suche nach Fingerabdrücken und anderen Spuren habe die Behörden nicht auf die Spur des Trios gebracht.

Doch die Verdächtigen haben offenbar unterschätzt, wie intensiv die Behörden in diesem Fall ermitteln würden. „Wir haben herausgefunden, wo das Paket aufgegeben worden war“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Pakete erhielten eine Art Stempel, mit diesem lasse sich feststellen, wo es angenommen wurde. Da das Geschäft in Reinheim, das als Aufgabestelle ermittelt worden war, über eine Videoüberwachung verfüge, seien die Filme ausgewertet worden, teilte der Sprecher weiter mit. So sei man auf die 24 Jahre alte Verdächtige aus dem Ort gestoßen.

Wie die Behörden letztlich die genaue Identität der Frau ermittelten, sagt der Behördensprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Dem verdächtigen Mann aus Groß-Zimmern und der Frau aus Alsbach-Hähnlein sei man anhand von Zeugenaussagen auf die Spur gekommen.

Hoffen auf Hintergründe

Im Herbst hatten die Behörden zunächst einen Mann befragt, der offenbar verwertbare Hinweise geben konnte. Er gehöre nicht zu den Verdächtigen, hieß es auf Nachfrage. Auf seine Aussage hin seien allerdings unter anderem Chatverläufe in einem besonders bei Verschwörungstheoretikern und Querdenkern beliebten Messenger-Dienst ausgewertet worden. So seien die Behörden schließlich unter anderem auf Fotos und Namen der beiden weiteren mutmaßlich Beteiligten gekommen.

Die Verdächtigen würden befragt. Man erhoffe sich, Informationen zu den Hintergründen der Tat zu erfahren und was das Trio mit dem Paket habe erreichen wollen, sagt der Behördensprecher. Den beiden Frauen und dem Mann drohen nach derzeitigem Ermittlungsstand bei einem hinreichenden Tatverdacht Anklagen wegen versuchter Körperverletzung und versuchter Nötigung. Ob ein politisches Motiv hinter der Tat steckt, sei noch unklar.

Quelle: F.A.Z.
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