Juwelendiebstahl in Dresden

Siebter Verdächtiger nach Einbruch in Grünes Gewölbe festgenommen

Von Stefan Locke
10.05.2022
, 16:15
Der Eingang zum Grünen Gewölbe in Dresden.
Vor zweieinhalb Jahren sind kostbare Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen worden. Nun nimmt die Polizei am Prozesstag einen siebten Tatverdächtigen fest.

Der Prozesstag um die gestohlenen Diamanten aus dem Dresdner Grünen Gewölbe war am Dienstag bereits kurz nach 15 Uhr zu Ende gegangen, als die Polizei am Eingang des Gerichtssaals zugriff. Sie nahm einen Mann fest, der bereits mehrere Prozesstage als Zuschauer im Saal verfolgt hatte und immer wieder auch mit den anderen sechs Angeklagten Blicke, Grüße, sowie – in den Prozesspausen – ein paar Worte gewechselt hatte. Es handelt sich dabei um Jihad R., einen Bruder eines der Angeklagten im Verfahren um die gestohlenen Diamanten aus dem Dresdner Grünen Gewölbe. Der leitende Polizeikommissar telefonierte direkt aus der Pförtnerloge des Gerichts mit dem Anwalt des Festgenommenen, um ihn über den Verbleib seines Mandanten zu informieren.

Bandendiebstahl und Brandstiftung

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft dem 22 Jahre alten, siebten Tatverdächtigen, vor, bei der Planung und Durchführung des Verbrechens am 25. November 2019 „umfassend“ geholfen zu haben. Zeitgleich mit der Festnahme durchsuchten Ermittler auch die Wohnung des Beschuldigten in Berlin-Kreuzberg sowie das Auto, mit dem er nach Dresden gekommen war. Juristisch lauten die Vorwürfe gegen ihn auf Beihilfe zum schweren Bandendiebstahl sowie zu besonders schwerer Brandstiftung. Bei dem Diebstahl waren unter anderem auch in der Tiefgarage eines Dresdner Wohnhauses, wo die Täter das Fluchtauto in Brand gesetzt hatten, mehr als 60 Fahrzeuge verbrannt oder verrußt sowie schwere Schäden am Gebäude entstanden.
Gegen den am Dienstag Festgenommenen lief bereits seit längerem ein Ermittlungsverfahren. Dass er dennoch immer wieder im Gerichtssaal auftauchte, zeugt entweder von großer Gelassenheit oder großer Dreistigkeit. Spätestens seit Ende März Rabieh Remo, einer der sechs Angeklagten, ein Teilgeständnis ablegte und dabei als einzigen Jihad R. als Fahrer eines der Fahrzeuge zur Vorbereitung der Tat nannte, hatte der nun siebte Tatverdächtige mit ernsthaften Konsequenzen rechnen müssen.

„Es winkt fette Beute“

Rabieh Remo, der sich anders als die anderen Angeklagten lediglich mit einem M im Nachnamen schreibt, hatte damals überraschend ausgesagt, kurz vor dem Bruch vom Kopf der mutmaßlichen Bande, den er nicht nannte, gefragt worden zu sein, ob er sich an dem Diebstahl in Dresden beteiligen wollte. Es winke fette Beute.
Er haben dann bei Vorbereitungen geholfen, unter anderem ein Fahrzeug für Vorbereitungsfahrten nach Dresden besorgt sowie gemeinsam mit mehreren anderen den Tatort ausgespäht und Fluchtmöglichkeiten geprüft. An der Tat selbst sei er jedoch nicht beteiligt gewesen. Die Täter seien dann am Tattag in Berlin auf dem Weg nach Dresden in eine Polizeikontrolle geraten, wobei die Beamten auch Einbruchswerkzeug im Kofferraum fanden. Daraufhin habe Rabieh Remo vermutet, dass die Sache aufgeflogen sei, weshalb er noch in Berlin wieder ausgestiegen und nach Hause gegangen sei. Die anderen seien jedoch weiter nach Dresden gefahren, wo sie dann in einem spektakulären Bruch knapp zwei Dutzend mit 4 300 Diamanten besetzte Schmuckstücke aus drei Juwelengarnituren des einstigen Sachsen-Kurfürsten Augusts des Starken stahlen. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur.

Erste Aussage eines Remmo-Mitglieds

Die Einlassung Rabieh Remos war insofern interessant, als dass bisher noch nie Angeklagte aus dem sogenannten Remmo-Clan, dessen kriminelle Mitglieder schon häufig vor Gericht standen, ausgesagt haben. Zwei der Angeklagten im Prozess in Dresden sitzen derzeit eine Haftstrafe wegen des Diebstahls der 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum in Haft. In Dresden schweigen die anderen Angeklagten bisher. Am Dienstag sagte ein Sachverständiger des Landeskriminalamts zu den an der Schlossmauer, hinter der sich das Grüne Gewölbe befindet, gefundenen DNA-Spuren aus. Die dort aufgefundenen Spuren ließen sich „eindeutig“ vier der Angeklagten zuordnen, die DNA eines fünften Angeklagten sei in einer „Mischspur“ gefunden worden, die jedoch nicht eindeutig sei. In den nächsten Prozesstagen wird es noch um die DNA-Spuren aus den Fluchtfahrzeugen gehen. Die Arbeit der Forensiker ist für die Überführung der Täter in diesem Fall von entscheidender Bedeutung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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