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Ungelöster Fall in Mexiko

Drogenbaron soll mit Entführung von 43 Studenten zu tun haben

Von Christiane Heil, Los Angeles
Aktualisiert am 01.07.2020
 - 14:16
Verwandte der 43 vermissten Lehramtsstudenten bei einer Kundgebung in Mexiko-Stadt 2019
Fast sechs Jahre nach der Entführung und Ermordung von 43 mexikanischen Studenten ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Wird der Fall, der zu den größten Skandalen der Amtszeit des früheren Präsidenten gehört, endlich aufgeklärt?

Fast sechs Jahre nach der Entführung und Ermordung von 43 mexikanischen Studenten, die zu einer Demonstration in Iguala im Südwesten des Landes fuhren, ist ein weiterer mutmaßlicher Täter festgenommen worden. Wie die Justizbehörden am Dienstag bestätigten, wurde der Drogenbaron Ángel Casarrubias Salgado bereits in der vergangenen Woche unter bislang unbekannten Umständen in Metepec westlich von Mexiko-Stadt verhaftet.

In Absprache mit dem Justizministerium und dem Ministerium für Sicherheit und Bürgerschutz hatte ein Bundesgericht zuvor einen Haftbefehl gegen Casarrubias Salgado, einen Anführer des Kartells Guerreros Unidos, ausgestellt. Der Drogenbaron, genannt „El Mochomo“, ist der Bruder des Bandenchefs Sidronio Casarrubias Salgado. Der Fünfzigjährige war schon im Oktober 2014, wenige Wochen nach dem Verschwinden der 43 Lehramtsstudenten, gefasst worden. Bei Verhören gab er damals zu, an der Ermordung der Studenten beteiligt gewesen zu sein.

Die sogenannte Massenentführung von Iguala zählt zu den größten Skandalen der Amtszeit des früheren Präsidenten Enrique Peña Nieto. Nach den bisherigen Ermittlungen kamen am 26. September 2014 etwa 100 Studenten des Ayotzinapa Rural Teachers‘ College nach Iguala. Angeblich planten sie, eine Feierstunde für die Ehefrau und mögliche Nachfolgerin des Bürgermeisters José Luis Abarca Velázquez zu stören. Abarca Velázquez soll damals angeordnet haben, die Studenten festzunehmen. Ob sie vor oder nach den geplanten Protesten gestoppt wurden, ist bis heute umstritten. Wie Augenzeugen später berichteten, wurden sie in den Nachbarort Cocula gebracht. Die Spur der 43 jungen Männer verlor sich später in einem ländlichen Gebiet der Region, nachdem die Beamten sie Mitgliedern des Drogenkartells Guerreros Unidos übergeben hatten. Sie sollen die Studenten anschließend getötet und ihre Leichen verbrannt haben.

Dienstag erster Auftritt vor Gericht

Als der Bürgermeister von Iguala, seine Ehefrau und auch Polizeichef Felipe Flores Velásquez wenige Tage nach dem Verbrechen flüchteten, wurden Spekulationen über die unerwartet enge Verbindung von Beamten und Politikern mit Mexikos berüchtigten Kartellen laut. Die „Vereinigten Krieger“ gehörten damals zu dem Kartell Beltrán Leyva (CBL), das nach der Verhaftung seiner Führer in den vergangenen Jahren aber an Einfluss verlor. Die Bande Guerreros Unidos soll dagegen weiterhin aktiv sein. Laut der amerikanischen Drogenvollzugsbehörde (DEA) schmuggelt die Organisation regelmäßig Heroin und andere Rauschgifte in die Vereinigten Staaten.

Trotz Festnahmen von fast 150 Verdächtigen, unter ihnen Dutzende Polizeibeamte aus Iguala und Cocula, sowie Untersuchungen durch verschiedene Organisationen gibt das Verschwinden der Studenten bis heute Rätsel auf. Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, die der Entführung sechs Monate lang nachging, widersprach inzwischen der Darstellung der mexikanischen Justizbehörden, das Kartell Guerreros Unidos habe die angehenden Grundschullehrer nach der Verschleppung verbrannt. Die These, die Studenten seien bei ihrer Busreise von einem Drogenkartell mit den Anhängern einer rivalisierenden Bande verwechselt und nach der Entführung auf einer Müllhalde angezündet worden, sei „wissenschaftlich unmöglich“.

Nach dem Fund von Leichenteilen in einer Mülltüte an einem Fluss in der Nähe von Cocula gelang es österreichischen Forensikern im Herbst 2015 immerhin, sie Jhosivani Guerrero de la Cruz, einem der entführten Studenten, zuzuordnen. Ende 2014 hatten die Gerichtsmediziner der Universität Innsbruck bereits ein weiteres Opfer identifiziert. Die sterblichen Überreste ihrer 41 Kommilitonen wurden bislang nicht gefunden.

Nach Ángel Casarrubias Salgados Verhaftung in der vergangenen Woche hofft die mexikanische Bundesstaatsanwaltschaft nun auf Hinweise zu dem Verbleib der Studenten und mutmaßlichen Tätern. Für Dienstag erwartet den Führer der „Vereinigten Krieger“ der erste Auftritt vor Gericht, bei dem auch die Anklagepunkte verlesen werden.

Quelle: F.A.Z.
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