Senioren beraubt

Falsche Polizisten vor dem Haftrichter

Von Anna-Sophia Lang
16.12.2020
, 12:19
Der Enkeltrick kennt viele Varianten, falsche Polizisten inklusive. Ermittler haben nun sieben Verdächtige festgenommen. Sie kommen vor einen Haftrichter. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihnen vor, beraubt zu haben.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Frankfurt haben am Mittwoch in Hessen und anderen Bundesländern sieben Tatverdächtige festgenommen, die als Mitglieder einer Bande eine Reihe von Senioren mit dem Falsche-Polizisten-Trick um ihr Vermögen gebracht haben sollen. Bei manchen Taten mit dieser Masche, einer Variante des sogenannten Enkeltricks, soll es bei dem Versuch geblieben sein.

Wie es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft weiter heißt, sollen die Taten zwischen Februar und August 2020 begangen worden sein. Die Beschuldigten sollen den Senioren, die zwischen 71 und 88 Jahre alt waren, bei wiederholten Telefonanrufen über Stunden oder gar Tage hinweg vorgespiegelt haben, dass ein Einbruch bei ihnen bevorstehe und der Verlust ihres gesamten Vermögens bevorstehe. Sie müssten daher Geld und Wertgegenstände in Sicherheit bringen, indem sie diese an einer abgesprochenen Stelle deponieren. Die Beschuldigten gaben sich dabei laut Staatsanwaltschaft als Polizisten aus und benutzten technisch erzeugte Telefonnummern realer Behörden.

Vermögensverlust verhindert

Auf diesem Weg brachten die Beschuldigten die Senioren in sieben Fällen dazu, Gold, Schmuck oder Bargeld in Höhe von insgesamt über 715.000 Euro an die sogenannten „Abholer“ zu übergeben oder vor ihrer Wohnung zu deponieren. Etwa die Hälfte davon stellten die Ermittler in unmittelbarer Tatortnähe sicher. In vier weiteren Fällen gelang es, rechtzeitig einzuschreiten und dadurch einen Vermögensverlust von rund 100.000 Euro zu verhindern.

Insgesamt richten sich die Ermittlungen seit Ende April 2018 gegen 18 Männer und Frauen, die überwiegend in Deutschland leben und zwischen 23 und 65 Jahre alt sind. Im Verdacht stehen außerdem weitere, nicht identifizierte Personen, die von der Türkei aus agieren sollen. Die Ermittler durchsuchten am Mittwoch 16 Wohnungen und Geschäftsräumen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg und Berlin. 120 Polizeibeamte, Spezialkräfte und Beamte aus zwei Landeskriminalämtern sicherten auch mithilfe des Einsatzes eines Bargeld-Spürhundes zahlreiche Beweismittel, insbesondere Unterlagen, Computer, Datenträger und Bargeld. Die festgenommenen sieben Beschuldigten werden am Mittwoch dem zuständigen Haftrichter vorgeführt.

Quelle: anla.
Autorenporträt / Lang, Anna-Sophia
Anna-Sophia Lang
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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