Drogenhandel in Ecuador

Drei Tonnen Rauschgift aus Polizeilager entwendet

Von Tjerk Brühwiller, São Paulo
11.04.2022
, 17:45
Rekordfund: Anfang April entdeckten die Behörden im Hafen von Guayaquil rund drei Tonnen Kokain in Bananen-Containern.
Verkleidet als Polizisten haben vier Kriminelle der ecuadorianischen Polizei eine große Menge Rauschgift gestohlen. Weit kamen sie mit ihrer Beute aber nicht. In dem südamerikanischen Land steigt derweil die Gewaltbereitschaft.

In Ecuador sind vier Kriminelle in Polizeiuniform gewaltsam in ein Lagerhaus der Polizei eingedrungen und haben rund 2,8 Tonnen Rauschgift entwendet. Der Leiter der nationalen Drogenbekämpfung bestätigte den Vorfall am Sonntag. Demnach sollen die Täter einen Wachmann überwältigt und die Sicherheitstüren des Lagerhauses aufgebrochen haben. Anschließend flüchteten sie mit der Beute in einem Lastwagen. Nach Polizeiangaben gelang es den Ermittlern später, drei Verdächtige festzunehmen und den Lastwagen mit der Beute sicherzustellen.

Ecuador, das an die beiden wichtigen Produktionsländer Kolumbien und Peru angrenzt, gilt als ein bedeutender Transitkorridor und Umschlagplatz für Kokain, das von Südamerika aus vor allem in die Vereinigten Staaten und nach Europa transportiert wird. Die Rauschgiftfunde in Ecuador haben zugenommen. Zuletzt entdeckten die Behörden Anfang dieses Monats im Hafen von Guayaquil rund drei Tonnen Kokain in Bananen-Containern. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden im Land mehr als 50 Tonnen Rauschgifte, hauptsächlich Kokain, sichergestellt.

Zunehmende Gewaltbereitschaft

Die Rivalität zwischen verschiedenen am Rauschgifthandel beteiligten Gruppen und Organisationen wird auch für einen massiven Anstieg der Gewaltverbrechen in Ecuador ver­antwortlich gemacht. Laut Statistiken der Regierung stieg die Zahl der ­Morde in Ecuador im vergangenen Jahr um mehr als 80 Prozent auf rund 2500.

Auch in den Gefängnissen des Landes hat sich die zunehmende Gewaltbereitschaft bemerkbar ge­macht. Bei mehreren Gefängnis­revolten wurden in den vergangenen Monaten mehr als 300 Häftlinge ge­tötet. Im vergangenen Oktober hatte der konservative Präsident Guillermo Lasso wegen der Gewaltwelle den Ausnahmezustand ausgerufen und die Armee auf die Straßen beordert, um der Gewalt Einhalt zu gebieten.

Gerade in Guayaquil und in der nahe gelegenen Vorstadt Duran tobt jedoch weiterhin ein heftiger Kampf zwischen Banden. Mehrmals war es in den vergangenen Monaten zu heftigen Schießereien am helllichten Tage gekommen, was man in Ecuador zuvor nicht erlebt hatte.

Ende Februar wurde in Guayaquil eine Leiche aus einem fahrenden Fahrzeug geworfen, gefolgt von deren abgetrenntem Kopf. Sechs Tage zuvor wurden in Duran die ­Leichen von zwei Männern mit Handschellen an einer Fußgängerbrücke aufgehängt gefunden. Es sind Einschüchterungstaktiken, die man vor allem aus Mexiko kennt. Laut den ­ecuadorianischen Behörden gibt es weitere Hinweise darauf, dass mexi­kanische Rauschgiftkartelle im Land Fuß gefasst haben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brühwiller, Tjerk
Tjerk Brühwiller
Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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