FAZ plus ArtikelUrteil wegen Missbrauchs

Ein Verbrechen, dessen Ausmaß sich kaum ermessen lässt

Von Christiane Heil, Los Angeles
29.06.2022
, 15:27
Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein auf einer undatierten Aufnahme, die die amerikanische Staatsanwaltschaft veröffentlichte.
In New York ist Jeffrey Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden. Maxwell sieht sich indes auch selbst als Opfer ihres ehemaligen Partners.

Die Appelle und Schilderungen der Opfer haben gefruchtet. „Du verdienst es, für alle Zeit in einen Käfig gesperrt zu werden“, hatte Virginia Roberts Giuffre vor der Verkündung des Strafmaßes gegen ihre frühere Peinigerin Ghislaine Maxwell verlangt. Die ehemalige Modestudentin Elizabeth Stein erinnerte sich vor dem Bundesgericht in New York später an Vergewaltigungen, Morddrohungen und eine ungewollte Schwangerschaft. „Ich wusste nicht mal, von wem das Baby war. Ich habe es abgetrieben“, las Stein aus ihrem sogenannten Victim Impact Statement vor. Annie Farmer, die Maxwell und ihren Komplizen, den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, 1996 im Alter von 16 Jahren getroffen hatte, erinnerte an das durch beide verursachte Trauma. „Ich hoffe, Sie berücksichtigen das Leid, das viele Frauen nach Maxwells Missbrauch bis heute durchmachen“, bat sie die Vorsitzende Richterin Alison Nathan. Das frühere Model Sarah Ransome verglich die Reisen an der Seite von Maxwell und Epstein derweil mit einer Sexhölle. „Ich wurde darin zu einem Sexspielzeug mit Herzschlag“, sagte die Südafrikanerin. Kurz nach den verstörenden Statements verurteilte Richterin Nathan Amerikas bekannteste Sexualstraftäterin zu 20 Jahren Haft. Die beträchtliche Strafe gegen Maxwell, sagte die Juristin bei der lange erwarteten Strafmaßverkündung am Dienstag, sei auch ein Signal. Wer minderjährige Opfer sexuell missbrauche oder mit ihnen Menschenhandel betreibe, werde zur Verantwortung gezogen.

Verteidiger sahen Maxwell auch als Opfer

Bis zur sprichwörtlichen letzten Minute war in der Causa Maxwell alles möglich gewesen. Vor der Strafmaßverkündung gegen die Komplizin des New Yorker Pädophilen Epstein, die für ihn jahrelang Mädchen und junge Frauen für sexuelle Übergriffe rekrutierte, hatte die Staatsanwaltschaft 30 bis 55 Jahre Haft verlangt. „Das Ausmaß ihrer Verbrechen kann man nur schwer überbewerten. Sie verlangen nach Gerechtigkeit“, begründeten die Ankläger die vergleichsweise hohe Forderung. Maxwells Verteidiger hatten derweil auf ein mildes Urteil gedrängt. Ihre Mandantin sei als Kind durch ihren Vater, den britischen Medienmogul Robert Maxwell, traumatisiert worden. Nach seinem Tod 1991 habe das frühere It-Girl der Londoner Society nach einem neuen starken Mann gesucht und ihn in Epstein gefunden. Vier bis fünf Jahre Haft, trug die Verteidigung vor, seien angemessen. Epstein war im Juli 2019 verhaftet worden. Vier Wochen später fand das Gefängnispersonal den Sechsundsechzigjährigen erhängt in einer Zelle des Metropolitan Correctional Center in Manhattan. Maxwell war damals untergetaucht. Im Juli 2020 verhafteten Beamte der amerikanischen Bundespolizei (FBI) Epsteins Vertraute schließlich auf ihrem Anwesen in New Hampshire.

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