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Freiburger Mordprozess

„Der Angeklagte hat sehr große Angst“

Von Rüdiger Soldt, Freiburg
 - 14:53

Im Strafprozess gegen den afghanischen Flüchtling Hussein K. hat sich dessen Pflichtverteidiger am Montag für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht ausgesprochen. Außerdem plädierte er dafür, falls es zu einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht komme, nicht die besondere Schwere der Schuld festzustellen und eine Entscheidung über eine anschließende Sicherungsverwahrung erst nach der vollständigen Verbüßung der Haftstrafe zu treffen.

Hussein K. soll im Herbst 2016 die Medizinstudentin Maria L. vergewaltigt und getötet haben. Nach Auffassung von Husseins Verteidiger hatte die Tat „keinerlei politische Dimension“, auch wenn es bei der Identitätsfeststellung des in Griechenland vorbestraften Täters Fehler gegeben habe. Hussein K. war Ende 2015 als unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA) nach Freiburg eingereist. Man könne die Folgen einer möglicherweise jahrzehntelangen Haft, so der Verteidiger, für den Angeklagten nicht absehen, deshalb müsse über die Sicherungsverwahrung erst später entschieden werden.

Er empfahl für Hussein K. eine Unterbringung in der Justizvollzugsanstalt Offenburg, die über eine sozialtherapeutische Einrichtung verfügt. Dort sei eine Therapie des Angeklagten möglich. „Der Eindruck, der hier im Gerichtssaal entstanden und der in den Medien berichtet worden ist, dass das Verfahren den Angeklagten nicht erreicht hat, ist falsch. Der Angeklagte verfolgte das Geschehen sehr genau, er hat sehr große Angst“, sagte der Verteidiger.

„Ich möchte dafür in Rechenschaft gezogen werden“

Der Nebenklagevertreter, der die Eltern des Opfers vertritt, plädierte für eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht und forderte zum Schutz der Allgemeinheit die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung. Nach einem in das Hauptverfahren eingeführten Altersgutachten sei Hussein K. zum Tatzeitpunkt mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit schon 23 Jahre alt gewesen. Vom 22. Lebensjahr an ist eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht nicht mehr möglich. Wesentliche Tatbestandsmerkmale für eine Verurteilung wegen Mordes, so der Nebenklagevertreter, seien erfüllt: Hussein K. sei heimtückisch vorgegangen, mit der Tat habe er seinen Sexualtrieb befriedigen wollen.

Außerdem habe die Ermordung der Ermöglichung oder Verdeckung einer schweren Straftat gedient. Er schloss sich im Wesentlichen dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an und empfahl dem Gericht, Hussein K. wegen Mordes, sexueller Nötigung und der Vergewaltigung mit Todesfolge mit einer lebenslangen Haftstrafe zu bestrafen. Er hob zudem hervor, dass seine Mandanten, die Eltern Marias, bei „aller Trauer“ dennoch vor allem wissen wollten, was sich in der Nacht des 16. Oktober 2016 am Ufer der Dreisam ereignet habe. Den Eltern, die beide Juristen seien, sei daran gelegen, dass im Rechtsstaat eine angemessene Strafe gefällt und möglichst verhindert werde, dass sich eine solche Tat wiederhole. Hass und Rachegefühle hegten die Eltern nicht.

Der Angeklagte nutze die Chance, sich am 23. und somit letzten Verhandlungstag mit dem letzten Wort an das Gericht und die Eltern des Opfers zu wenden: „Von meiner Seite aus möchte ich sagen, dass ich es bereue, dass es mir leid tut. Ich möchte dafür in Rechenschaft gezogen werden und die Strafe erhalten, die mir zusteht. Ich sage nicht, dass ich unschuldig bin. Trotzdem, mein Herz brennt. (…) Ich versuche in der Zukunft, mir ein besseres Leben einzurichten, ohne Drogen und ohne Alkohol“, sagte der Angeklagte. Das Urteil will die Kammer am 22. März verkünden.

Quelle: FAZ.NET
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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