Prozess in Idar-Oberstein

Angeklagter verhöhnte getötete Polizisten von Kusel

Von Eva Schläfer, Idar-Oberstein
05.08.2022
, 15:00
Blumen und Kerzen stehen an dem Tatort, an dem Ende Januar 2022 bei Kusel zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden.
Vor dem Schöffengericht Idar-Oberstein hat der Prozess gegen einen selbst ernannten „Polizistenjäger“ begonnen. Der Angeklagte rief zur Nachahmung auf, als in Kusel zwei Polizisten getötet worden waren.

Pünktliches Kommen wurde empfohlen zum Prozessauftakt gegen einen selbst ernannten „Polizistenjäger“ am Freitag vor dem Schöffengericht Idar-Oberstein. Der Einlass könne Zeit in Anspruch nehmen. Vermutlich hatte das Amtsgericht im Vorfeld Sorge vor einem Ansturm von „Reichsbürgern“, einer staatsfeindlichen Bewegung, der auch der Angeklagte nahestehen soll. Doch letztlich kamen nur Medienvertreter in größerer Anzahl, um Volker S. zu sehen und um der Verlesung der Anklage zu folgen.

Dafür benötigte Wahis Afschar von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz gute zehn Minuten. Dem 56 Jahre alten S., der seit Anfang Februar in Untersuchungshaft sitzt, wird vorgeworfen, nach den Morden an zwei jungen Polizisten Ende Januar in Kusel den Tätern applaudiert, die Opfer verhöhnt und herabgewürdigt sowie im Internet zu Nachahmungstaten aufgerufen zu haben.

„Jetzt ab zur Demo, anrotzen lassen“

Zwei Tage nach der Tötung einer 24 Jahre alten Polizeischülerin und eines 29 Jahre alten Polizisten durch Wilderer schickte S. unter seinem Klarnamen zunächst eine E-Mail an die Polizeiinspektion Idar-Oberstein, in der er die Morde feierte. „War das geil, als ich das gehört habe“, schrieb er und nannte die Getöteten „abgeknallte Ratten“. „Ich persönlich werde heute eine Party machen“, fuhr er fort und wünschte den Polizisten in Idar-Oberstein zum Abschluss: „Jetzt ab zur Demo, anrotzen lassen.“ Der Corona-Leugner soll sich laut Anklage mit einem gefälschten Impfausweis im Oktober 2021 in einer Hamburger Apotheke ein digitales Impfzertifikat erschlichen haben.

Am Tag nach dem Versand der E-Mail stellte Volker S. zwei Videos auf Facebook online, die ihn auf einem Feldweg in der Nähe eines Waldes zeigen. Laut Staatsanwalt hieß er „Adrenalin-Junkies willkommen“, um dann die Gründung eines „Cophunter-Vereins“ anzukündigen. Er bot an, Polizeibeamte auf den Weg zu locken, die von Anfängern aus Hochsitzen per Kopfschuss hingerichtet werden könnten. In dem zweiten Video adressierte er erfahrene Schützen, denen er einen Polizeihubschrauber zum Abschuss präsentieren werde. Für weniger Erfahrene hingegen seien junge Polizisten leichte Beute. Mit so welchen wie denen in Kusel „würden Anfänger keine Probleme haben“.

Der Angeklagte, der im Landkreis Birkenfeld wohnt und der am Freitag mit einer auffälligen Kette mit großem Kreuz und einem längeren Kinnbart vor Gericht erschien, war nicht der Einzige, der sich nach den Morden von Kusel beleidigend im Internet geäußert hatte. Die vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz eingesetzte Ermittlungsgruppe „Hate Speech“ regis­trierte 536 strafrechtlich relevante Beiträge.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schläfer, Eva
Eva Schläfer
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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