Berüchtigter Krimineller

Früherer Chef der „Mafia Capitale“ in Rom verurteilt

Von Matthias Rüb, Rom
10.03.2021
, 07:47
Einer der berüchtigtsten Kriminellen Roms, Massimo Carminati, im Juni 2020
Bis 2014 führte Massimo Carminati die „Mafia Capitale“ – das Verbrechernetzwerk in Italiens Hauptstadt. Nun wurde Carminati zu zehn Jahren im Gefängnis verurteilt. Sein engster Vertrauter muss noch länger in Haft.

Die beiden Köpfe der sogenannten „Mafia Capitale“ sind nach einem langwierigen Rechtsstreit zu Haftstrafen verurteilt worden. Massimo Carminati, ehedem Mitglied der neofaschistischen Terrorgruppe NAR, muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Seine rechte Hand Salvatore Buzzi, einst Chef verschiedener Genossenschaftsunternehmen in Rom, wurde zu zwölf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Die beiden waren erstmals 2014 zusammen mit drei Dutzend weiteren Verdächtigen aus der Verwaltung und der Geschäftswelt Roms wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet worden.

Ihnen wurde vorgeworfen, Ausschreibungen manipuliert zu haben und durch eine umfassende Operation von Bestechung und Begünstigung von Spitzenbeamten an öffentliche Aufträge in Millionenhöhe gekommen zu sein. Bei den zu überhöhten Preisen geleisteten Dienstleistungen für die öffentliche Hand ging es unter anderem um die Müllentsorgung, die Anlage und Pflege von Grünflächen sowie um die Betreuung von Flüchtlingen.

Nach Überzeugung der Strafverfolger war die „Mafia Capitale“ maßgeblich verantwortlich dafür, dass Rom knapp vor dem Finanzkollaps stand und dass die Infrastruktur der Hauptstadt in einem beklagenswerten Zustand war. In einem ersten Verfahren waren Carminati und Buzzi 2019 zu 14 und 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Kassationsgericht in Rom hob die Urteile aber auf, weil sich nach Überzeugung der Berufungsrichter der Vorwurf der Bildung einer Mafia-Vereinigung nicht habe beweisen lassen, und ordnete eine Neuverhandlung an. Carminati und Buzzi wurden im vergangenen Sommer ungeachtet der Schwere der Vorwürfe auf freien Fuß gesetzt, weil die maximal zulässige Dauer der Festsetzung bis zu einem rechtskräftigen Urteil in letzter Instanz abgelaufen war.

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Im neuen Verfahren wurde die von Carminati und Buzzi geführte kriminelle Organisation „Mondo di Mezzo“ (Halbwelt) und nicht mehr „Mafia Capitale“ tituliert. Carminati hat ein langes Register an Vorstrafen, von rechtsextremistischen Terroranschlägen bis zu Gewaltverbrechen. Buzzi war erstmals 1983 wegen des brutalen Mords an einem geständigen Komplizen zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er gab sich im Gefängnis jedoch als „Bilderbuchgefangener“ und wurde von den Behörden als Beweis für eine geglückte Resozialisierung schon nach sechs Jahren Haft entlassen.

Die Behörden haben bei Carminati und Buzzi Immobilien, Luxusfahrzeuge, Kunstwerke und andere Güter im Wert von mehr als 30 Millionen Euro beschlagnahmt. Bei der Urteilsverkündung des Gerichts war auch die amtierende Bürgermeisterin Viriginia Raggi von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung anwesend. Raggi hatte den Kampf gegen das organisierte Verbrechen in Rom bei ihrem Amtsantritt 2016 zu einer ihrer Hauptaufgaben erklärt. Carminati und Buzzi kündigten unmittelbar nach der Urteilsverkündung über ihre Anwälte mitteilen, ein weiteres Mal vor dem Kassationsgericht in Berufung zu gehen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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