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Schlag gegen Cosa Nostra

Zwei Mafia-Clans „faktisch ausgeschaltet“

Von Matthias Rüb, Rom
Aktualisiert am 15.01.2020
 - 14:44
Ein Handout der italienischen Finanzbehörde, das von einem Hubschrauber aus mit Wärmebildkamera aufgenommen wurde, zeigt drei Verdächtige (Mitte) in Messina.
Italiens Polizei ist auf Sizilien der bisher größte Schlag gegen die Cosa Nostra gelungen. Die Clans sollen besonders mit einem landwirtschaftlichen Betrug bis zu zehn Millionen Euro erschlichen haben.

Italienische Polizeieinheiten haben am frühen Mittwochmorgen beim bisher größten Schlag gegen die Cosa Nostra in Messina sowie im Hinterland der Hafenstadt im Nordosten Siziliens 48 Personen verhaftet. Weitere 46 Verdächtigte wurden unter Hausarrest gestellt. An den Razzien waren nach Angaben italienischer Medien rund 600 Beamte beteiligt. Bei dem Schlag seien die Cosa-Nostra-Clans der Batanesi und der Bontempo Scavo faktisch ausgeschaltet worden, teilte die Polizei mit.

Die Clans werden bezichtigt, seit 2013 EU-Fördergelder für die süditalienische Landwirtschaft im Höhe von bis zu zehn Millionen Euro erschlichen zu haben. Den Festgenommenen werden Zugehörigkeit zu einer Mafiaorganisation sowie schwerer Betrug, Erpressung und außerdem Drogenhandel vorgeworfen. Zu den Verhafteten zählen auch mehrere Unternehmer sowie ein Notar.

Auch ein Bürgermeister verhaftet

Die beiden Clans der Batanesi und der Bontempo Scavo waren lange Jahre verfeindet, hatten aber zuletzt ihre Verteilungskämpfe eingestellt, um in Absprache auf Sizilien und auf dem Festland landwirtschaftliche Nutzfläche zu erwerben. Für diese Flächen beantragten und erhielten sie über rund 150 Scheinfirmen sowie mit gefälschten Dokumenten EU-Fördergelder in Millionenhöhe. Wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete, wird auch gegen Vertreter öffentlicher Behörden ermittelt, die erforderliche Kontrollen unterließen. Auch der Bürgermeister von Tortorici, der Heimatstadt des Batanesi-Clans im Norden Siziliens, wurde verhaftet.

Die sizilianische Cosa Nostra gilt als älteste Mafiaorganisation und wird von wenigen Familienclans kontrolliert. Die Gesamtzahl der Mitglieder der Cosa-Nostra-Clans wird derzeit auf rund 5000 geschätzt. In den vergangenen Wochen hatte die italienische Polizei auch bei Schlägen gegen die ’Ndrangheta in Kalabrien Dutzende Verdächtige festgenommen sowie Güter und Guthaben in Millionenwert beschlagnahmt. In Neapel sowie in der gesamten Region Kampanien ist die Camorra aktiv, in Apulien die Sacra Corona Unita. Nach wie vor ist die Erpressung von Schutzgeldern von lokalen Unternehmen eine der Haupteinnahmequellen der Mafiaorganisationen. Vor allem die kalabrische ’Ndrangheta hat sich in den vergangenen Jahren in ganz Italien sowie in verschiedenen europäischen Ländern festgesetzt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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