Kirsten Heisig

Berliner Jugendrichterin weiter vermisst

02.07.2010
, 13:15
Kirsten Heisig wird seit Mittwoch vermisst
Die prominente Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig wird weiter vermisst. Am Freitag setzte die Polizei die Suche nach der Achtundvierzigjährigen fort. Anzeichen für eine Straftat gebe es nicht, hieß es „unter Vorbehalt“. Vermutet werde eine privater Hintergrund.
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Die Polizei hat am Freitag die Suche nach der 48 Jahre alten Richterin Kirsten Heisig in einem Wald im Ortsteil Heiligensee im Norden der Hauptstadt fortgesetzt. Auch Spürhunde sollten wieder eingesetzt werden, sagte ein Polizeisprecher. Es ist die dritte Suchaktion. Bereits am Mittwoch und Donnerstag hatten dutzende Beamte mit Stöcken und Hunden den Wald ohne Erfolg durchkämmt.

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Die Polizei sucht in dem Wald, weil in der Nähe das verlassene Auto der Richterin stand. Heisig, deren Namen die Polizei nicht nannte, war am Montag zuletzt gesehen worden. Am Mittwoch wurde die Juristin, die durch ihr konsequentes Vorgehen gegen kriminelle Jugendliche bekannt wurde, als vermisst gemeldet. Dann begann die Suche.

„Wir lassen keine Möglichkeit aus, die Frau zu finden“, sagte der Polizeisprecher am Freitag weiter. In Justizkreisen hieß es, auch Kollegen der Richterin seien befragt worden. Das Auto der Frau war laut Polizei verschlossen, darin lagen persönliche Dinge, unter anderem ihr Ausweis. Ein Abschiedsbrief von der Mutter zweier Töchter wurde nicht gefunden. Eine Entführung schließt die Polizei bisher aus. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) hatte am Donnerstag „unter Vorbehalt“ gesagt, es gebe keine Anzeichen für eine Straftat. Vermutet werde ein privater Hintergrund.

Erfolg und Populariät machen ihr zu schaffen

Heisig ist als Jugendrichterin für den Problembezirk Neukölln mit einem hohen Ausländeranteil zuständig und hat das sogenannte Neuköllner Modell initiiert. Sie wurde deutschlandweit bekannt mit ihrem Ansatz, dass nach dem Delikt die Strafe auf dem Fuße folgen müsse, um die Delinquenten noch innerlich zu erreichen und zu erziehen. Sie glaubt daran, dass die Spirale von Gewalt, Respektlosigkeit und Verwahrlosung Jugendlicher gestoppt werden könne. .Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben. „Das Ende der Geduld“ sollte nach bisherigen Planungen im September erscheinen.

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Erfolg und Popularität hatten der Richterin auch zu schaffen gemacht. „Ich habe keine Freunde hinzugewonnen. Ich fühle mich oft als Exot wahrgenommen. Das sagt mir zwar keiner ins Gesicht, das läuft so verdeckt“, hatte sie in einer dpa-Reportage gesagt. Der Vorwurf, sie sei ganz wild auf Öffentlichkeit, mache ihr zu schaffen.

Unermüdlich wirbt sie gerade bei Migranten dafür, dass Jugendliche mit ausländischen Wurzeln lernen müssten. Kriminalität fange oft mit Versagen in der Schule an, warnt sie in Schulen, Vereinen und Nachbarschaftstreffs. Dort sagt sie zu Eltern: „Wir brauchen Ihre Kinder ganz dringend in guten Berufen - als Polizisten, Erzieher und Ärzte.“ Für diese Auftritte investiert sie viel Zeit.

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Über ihre beiden Töchter will Heisig nicht sprechen, um sie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Heisig sagt von sich, dass sie Niederlagen wegstecken könne. Beim Joggen mit Hund finde sie Ausgleich.

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