Prozess um getötete Polizisten

„Soll ich Ihnen mal die Zunge rausstrecken?“

Von Julia Anton, Kaiserslautern
05.07.2022
, 17:56
Der Hauptangeklagte Andreas S. sitzt neben seinem Anwalt Leonhard Kaiser im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern.
Im Landgericht Kaiserslautern bleiben im Fall um die getöteten Polizisten im Kreis Kusel weiterhin viele Fragen offen. Weder DNA-Spuren noch Schmauchspuren liefern Antworten. Andreas S. erzählt derweil aus seinem Leben.

Die im Fall der beiden im Kreis Kusel getöteten Polizisten sichergestellten Schmauchspuren lassen sich nicht klar der Tat zuordnen.

Ein Sachverständiger hat am Dienstag ein entsprechendes Gutachten vor dem Landgericht Kaiserslautern vorgestellt. Demnach wurden zwar sowohl an den Händen des wegen Mordes angeklagten Andreas S. als auch an den Händen des Mitangeklagten Florian V. Schmauchspuren festgestellt. Diese deuteten aber nicht zwingend daraufhin, dass die beiden auch geschossen hätten. Wie der Sachverständige des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz darlegte, sind Schmauchspuren weniger eindeutig, als etwa in Fernsehkrimis oft nahegelegt wird.

Bei Schmauch handelt es sich um die Rückstände des Mündungsfeuers einer Schusswaffe – unter anderem Gas, Teile des Waffenöls und unverbrannte Treib­ladung, die in einer Art Wolke austreten. Demnach kann Schmauch auch Personen anhaften, die sich bei der Schussabgabe in unmittelbarer Nähe befinden, beispiels­weise auf deren Kleidung. Werden Gegenstände mit solchen Spuren oder die Waffen nach einer Schussabgabe noch einmal angefasst, lassen sich Schmauchspuren nachweisen. Dies sei sogar an den Händen des Richters denkbar, der die Tatwaffen zuvor in Augenschein genommen und in der Hand gehalten hatte.

Dass zwischen der Tat und der Festnahme der beiden Angeklagten mehr als zwölf Stunden vergangen waren, in denen beide auch nach eigenen Angaben geduscht hatten, deute sogar eher auf eine solche „sekundäre“ Übertragung der Schmauchspuren hin. Eindeutig feststellen, wer von den beiden auf die Polizisten geschossen hat, lässt sich demnach nicht. Während die Staatsanwaltschaft die Schüsse ausschließlich Andreas S. anlastet, beschuldigt dieser Florian V., ebenfalls geschossen zu haben.

Andreas S. macht Angaben zu seinem Lebenslauf

Auch die Erkenntnisse aus einer DNA-Untersuchung trugen nicht zur Aufklärung bei. Zwar hat eine Ermittlerin Spuren von Florian V. im Lauf der Schrotflinte gefunden. Ob das auf eine Tatbeteiligung des Dreiunddreißigjährigen hindeutet, konnte sie aber nicht sagen – die Spuren könnten auch erst nach der Tat, etwa beim Reinigen der Waffe, in den Lauf geraten sein. „Wir sind uns einig, dass weder Schmauch­spuren noch DNA uns hier weiterbringen“, resümierte der Staatsanwalt und sprach von einem Puzzle, das nun zusammengesetzt werden müsse.

Während Florian V. vor Gericht weiter schweigt, hat Andreas S. am Vortag einige Angaben zu seinem Lebenslauf gemacht. Schon als Kind habe sein Vater ihn mit zur Jagd genommen, im Alter von zehn Jahren habe er bereits auf viele Tiere in der Um­gebung geschossen. Sein Vater starb, als er 13 Jahre alt war. Danach hätten ihn dessen Bekannte weiter zur Jagd mitgenommen. Stolz berichtete der Neununddreißigjährige auch von seiner Jagdausstattung, ein Wärmebild-Zielfernrohr habe rund 12.000 Euro gekostet.

Wie ein Waffensachverständiger am Dienstag vor Gericht erklärte, ist der Erwerb dieses Geräts in Deutschland laut Waffengesetz verboten. Als der Vorsitzende Richter es im Saal ausprobierte, um sich selbst ein Bild zu machen, wollte Andreas S. ihm demonstrieren, wie präzise das Gerät ist. S. trug eine FFP-2-Maske, er bot an: „Soll ich Ihnen mal die Zunge raus­strecken?“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Anton, Julia
Julia Anton
Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.
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