FAZ plus ArtikelAmerikanisches Militär

Keine Deckung mehr für Missbrauchstäter

Von Christiane Heil, Los Angeles
17.12.2020
, 11:44
Das amerikanische Militär hat jahrelang Sexualstraftäter in den eigenen Reihen geduldet und gedeckt. Nach dem Tod der jungen Soldatin Vanessa Guillén soll sich das ändern.

Der Leichnam der Soldatin Vanessa Guillén blieb mehr als zwei Monate lang verschwunden. Als Arbeiter beim Zaunbau am Leon River Ende Juni zufällig auf Leichenteile stießen, bestätigte ein DNA-Abgleich schließlich den Verdacht, dass die Zwanzigjährige Opfer eines Verbrechens geworden war. In den Monaten vor ihrem Tod hatte Guillén ihrer Mutter und Schwester immer wieder von sexueller Belästigung durch Vorgesetzte in Fort Hood (Texas), einem der größten Militärstützpunkte der Vereinigten Staaten, berichtet. „Vanessa hat Kameraden, Freunden und ihrer Familie mehrfach über sexuellen Missbrauch erzählt. Sie hatte aber Angst, die Übergriffe anzuzeigen“, sagte Natalie Khawam, die Anwältin der Familie Guillén, nach dem Leichenfund. Einer der mutmaßlichen Täter, der die Obergefreite nach den bisherigen Ermittlungen Ende April mit einem Hammer in einer Waffenkammer erschlagen hatte, beging einige Tage später Suizid.

Der Fall Guillén war damit nicht zu Ende. Nach jahrelangen Vorwürfen gegen das amerikanische Militär, Sexualstraftäter in den eigenen Reihen nicht nur zu dulden, sondern auch zu decken, hat die Causa der Soldatin die Debatte über die Eindämmung der Epidemie befeuert wie kein anderer Missbrauchsfall. Hunderte Opfer von Übergriffen versammelten sich im Sommer vor den Toren von Fort Hood, um das Verteidigungsministerium unter Druck zu setzen.

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