Opferschutzorganisation

Weißer Ring ruft Mitarbeiter wegen Missbrauchsvorwürfen ab

22.02.2021
, 21:15
In NRW soll der Leiter einer Außenstelle des Vereins ein Kriminalitätsopfer sexuell missbraucht haben. Der Bundesvorstand des Weißen Rings bewertet die Vorwürfe als glaubwürdig. Dem Mann wurden bereits 2019 sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring hat wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs den Leiter einer Außenstelle in Nordrhein-Westfalen abberufen. Der Verein habe gegen den ehrenamtlichen Mitarbeiter zudem Strafanzeige wegen des Verdachts von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erstattet, teilte die Opferschutzorganisation am Montag in Mainz mit. Hintergrund seien Hinweise einer Opferanwältin und einer Beratungsstelle auf ein mutmaßliches schweres Fehlverhalten des Mitarbeiters.

Dem ehemaligen Außenstellenleiter werde vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem Kriminalitätsopfer vorgenommen zu haben, das er seit Anfang 2018 betreute, erklärte der Verein. Der Geschäftsführende Bundesvorstand des Vereins habe die Hinweise als glaubwürdig bewertet. Auch unabhängig von einer strafrechtlichen Bewertung der Vorwürfe durch die Justiz habe der Mitarbeiter aus Sicht des Weißen Rings massiv gegen den Verhaltenskodex des Vereins und gegen die Standards der Opferbetreuung verstoßen. Allein das rechtfertige bereits die Abberufung.

Dem Mann habe bereits Anfang 2019 ein von ihm betreutes Kriminalitätsopfer sexuelle Übergriffe vorgeworfen, erklärte der Verein weiter. Daraufhin sei der Mann suspendiert worden. Weil die Aussagen des Opfers als widersprüchlich und nicht hinreichend glaubhaft bewertet worden seien, sei die Suspendierung nach wenigen Wochen wieder aufgehoben worden.

Nach Bekanntwerden der aktuellen Vorfälle richtete der Verein in der Bundesgeschäftsstelle in Mainz eine Taskforce ein, die sämtliche Opferfälle überprüfen soll, die der frühere Außenstellenleiter betreute. Der Verein schaltete zudem eine Hotline für potenziell betroffene Frauen.

Der Landesvorsitzende des Weißen Rings NRW/Westfalen-Lippe, Jörg Bora, äußerte sich bestürzt über den Vorgang. „Das Vertrauen von Menschen, die sich in einer persönlichen Ausnahmesituation hilfesuchend an uns gewandt haben, ist hier mutmaßlich auf schwerste Weise missbraucht worden“, erklärte Bora. „Ich möchte persönlich dafür um Entschuldigung bitten, dass es dem Weißen Ring, dass es mir nicht gelungen ist, sie hiervor zu bewahren, wenn die Vorwürfe zutreffen.“ Es sei unerträglich, wenn Menschen durch ein Verhalten eines Mitarbeiters des Weißen Rings abermals zu Opfern würden.

Quelle: epd
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