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Mutmaßliche Täter festgenommen

Beziehungstat aus verletztem Stolz

Von Rüdiger Soldt, Waiblingen
 - 23:04
Dank der intensiven Ermittlungen der französischen Fahnder habe der Aufenthaltsort der beiden Männer und ihres Opfers am Dienstagnachmittag bestimmt werden können.

Jolanta Szeczyk stand im Ruf, eine zuverlässige Pflegehelferin zu sein. Sie erschien pünktlich zur Arbeit und war auch in finanziellen Dingen äußerst penibel. Am 3.Juni war die 47 Jahre alte Frau in die Wohnung einer älteren Dame in Aspach im Rems-Murr-Kreis nach der Mittagspause nicht zurückgekehrt. Weil auf Jolanta Szeczyk stets Verlass war, hatten die Angehörigen frühzeitig die Polizei informiert und Anzeige erstattet.

Nach Ermittlungen der baden-württembergischen Polizei war die Pflegerin von ihrem ehemaligen Lebensgefährten, dem 51 Jahre alten polnischen Automechaniker Maciej Iwanczyk, und seinem 23 Jahre alten Mitarbeiter sowie Komplizen Krystof Trzesicki entführt und mit einem Wohnmobil in die Wälder in der Umgebung Straßburgs verschleppt worden. Am Dienstagabend dann teilten die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Aalen mit, dass die Pflegerin wohlbehalten in Frankreich befreit werden konnte. Die beiden mutmaßlichen Entführer seien festgenommen geworden. Der 47 Jahre alten Frau gehe es den Umständen entsprechend gut. Zuletzt seien die Verdächtigen mit der Frau zu Fuß unterwegs gewesen. Dank der intensiven Ermittlungen der französischen Fahnder habe der Aufenthaltsort der beiden Männer und ihres Opfers am Dienstagnachmittag bestimmt werden können. Daraufhin sei auch eine Delegation deutscher Ermittler zur Unterstützung nach Frankreich gereist, hieß es in der Mitteilung. Schließlich erfolgte der Zugriff. Die Angehörigen der Frau seien wenig später informiert worden.

Die Polizei hatte die drei Personen zuvor mit einer Öffentlichkeitsfahndung in ganz Europa gesucht. Der Entführer habe nie Lösegeldforderungen gestellt. „Es ist eine Beziehungstat. Der psychisch auffällige Täter handelte wahrscheinlich aus verletztem Stolz“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen dieser Zeitung Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder.

Die Männer waren in der vergangenen Woche mehrmals im deutsch-französischen Grenzgebiet gesichtet worden. Ein Sprecher der Polizei Aalen bestätigte einen Bericht des französischen Rundfunks, nach dem die Täter am Mittwoch von der Wildkamera eines Jägers fotografiert worden waren. Das Wohnmobil, mit dem die Frau entführt worden war, hatte die französische Polizei vor einigen Tagen in der Nähe der kleinen, nördlich von Straßburg gelegenen Elsass-Gemeinde Schweighouse-sur-Moder sicherstellen können. Die Täter hatten das Wohnmobil im Morast festgefahren. Ein weiteres Fahrzeug hatten sie kurz nach der Entführung auf einem Parkplatz in Aspach zurückgelassen. Die Ermittler fürchteten, dass die gewalttätigen Männer versuchen könnten, mit polnischen Fernfahrern zurück in ihr Herkunftsland zu gelangen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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