Nach antisemitischer Attacke

„Zeichen dafür, dass jeder einzelne etwas gegen Antisemitismus tun kann“

05.01.2021
, 13:09
Lob für die Zivilcourage: Der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel hebt nach dem Angriff auf den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz die Reaktion der Nachbarn hervor.

Nach einer abermaligen Attacke gegen den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz hat die Orthodoxe Rabbinerkonferenz dem Geistlichen ihre Solidarität bekundet und die Zivilcourage von Zeugen des Vorfalls am Neujahrstag gelobt. „Jeder Angriff auf jüdisches Leben, ob verbal, tätlich oder tödlich ist immer ein Schock für die hier in Deutschland lebenden Juden“, sagte der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel vom Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. „Was uns trotz dieses traurigen Anlasses freut: Bürgerinnen und Bürger Offenbachs haben Zivilcourage gezeigt und den Angreifer lautstark in seine Schranken verwiesen.“

Der Offenbacher Rabbiner war mit seinen Kindern am Abend des Neujahrstages auf dem Heimweg von der Synagoge gewesen, als er von einem 46 Jahre alten Mann mit antisemitischen Parolen beleidigt wurde. Mehrere Zeugen verständigten die Polizei, die den Mann vorläufig festnahm. Gegen den alkoholisierten Mann wurde nach Angaben eines Polizeisprechers ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Gurewitz war in der Vergangenheit bereits mehrfach antisemitisch beleidigt und angegriffen worden.

Dies ist ein wichtiges Zeichen

Gurewitz selbst nannte den Zwischenfall in einem Facebook-Post eine „traumatische“ Erfahrung. Überwältigend sei die Reaktion der Nachbarn und Anwohner gewesen: „Von jedem Fenster aus griffen Leute ein, schrien auf den Aggressor ein, verteidigten uns, verständigten die Polizei. Einige verließen ihre Häuser und verfolgten ihn zu Fuß oder mit dem Auto. (...) Es war eine plötzliche Explosion von Liebe und Unterstützung.“

„Die Tat in Offenbach zeigt, dass Jüdinnen und Juden ihren Glauben in der Öffentlichkeit nicht ohne Sorge um die eigene Unversehrtheit offen zeigen können“, sagte der Hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Das sei 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz „ein schlimmes Zeugnis über den Zustand unserer Gesellschaft in unserem Land, wie insgesamt in Europa“. Die Menschen in Offenbach hätten aber gezeigt, „dass sie sich schützend vor ihre jüdischen Nachbarn stellen und Judenhass nicht einfach geschehen lassen. Dies ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass jede und jeder einzelne etwas gegen Antisemitismus tun kann.“

Quelle: dpa
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