Gewalttat in Wohnheim

Tatverdächtige von Potsdam fordert hohe Abfindung

10.06.2021
, 16:53
Nach der schockierenden Tötung von vier schwerst behinderten Menschen wird zunächst vor einem Potsdamer Arbeitsgericht verhandelt. Dort wehrt sich die Pflegekraft gegen die Kündigung durch den Arbeitgeber.

Nach der tödlichen Gewalttat in einem Potsdamer Wohnheim für Menschen mit Behinderungen verlangt die tatverdächtige Pflegekraft eine hohe Abfindung nach ihrer Kündigung. Er habe der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus eine Lohnfortzahlung bis Ende des Jahres und eine Abfindung in Höhe von 81.600 Euro vorgeschlagen, sagte der Anwalt der 52-Jährigen am Donnerstag bei der Güteverhandlung vor dem Potsdamer Arbeitsgericht.

Dort hatte der Anwalt für seine Mandantin, die nach der Tat mit vier Toten Ende April festgenommen und in einer Psychiatrie untergebracht worden war, eine Kündigungsschutzklage erhoben. Nach Angaben der Richterin hatte das Oberlinhaus der Pflegekraft Anfang Mai zunächst aus personen- und verhaltensbedingten Gründen gekündigt und dann noch eine Verdachtskündigung ausgesprochen.

Der Anwalt des Oberlinhauses erklärte, die Forderung nach Abfindung sei auch mit Blick auf die Hinterbliebenen der Toten unannehmbar. Aus Sicht der Pflege-Einrichtung sei nur die sofortige Kündigung möglich. „Dass die Klägerin an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt und Hilfsbedürftige pflegt, ist doch nicht vorstellbar.“

Der Anwalt der Pflegekraft erklärte, aus seiner Sicht sei das Oberlinhaus schadenersatzpflichtig. Es habe zugelassen, dass in Früh- und Spätschichten nur zwei Pflegekräfte bis zu 20 Menschen mit schwersten Behinderungen betreuen müssten. Der Arbeitgeber habe nicht auf die Anzeichen von Überlastung bei der 52-Jährigen reagiert, die 32 Jahre in dem Haus beschäftigt gewesen sei.

Quelle: dpa
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