Verbotenes Aufnahmeritual

Polizei-Spezialeinheit schießt mit Farbmunition auf neues Mitglied

Von Stefan Locke, Dresden
13.04.2022
, 15:42
Beamte einer Spezialeinheit der Polizei. (Symbolbild)
Zwei Neulinge einer Polizei-Spezialeinheit in Leipzig mussten sich offenbar einer „Abschlussprozedur“ unterziehen: Dabei wurde einer mit Farbmunition aus Übungswaffen getroffen – und verletzt. Gegen 25 LKA-Beamte wird ermittelt.

Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen hätten am Mittwoch im Raum Leipzig Wohnungen und Büros von 23 Kollegen durchsucht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden mit. Die Beamten stehen im Verdacht, Ende 2020 in Diensträumen zwei neue Mitglieder des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) einem verbotenen Ritual unterzogen zu haben.

Dabei soll ein Kollege durch Schüsse mit Farbmunition verletzt worden sein, er habe Hämatome erlitten. Deshalb werde unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Die Munition sei zuvor unberechtigt aus dienstlichen Beständen entwendet worden. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall gegen 25 Beschuldigte des MEK im Alter von 29 bis 54 Jahren sowie eine Polizeiärztin.

Die Präsidentin des LKA, Sonja Penzel, suspendierte den Gruppen- sowie den Kommandoführer der Einheit, die das Ritual nicht nur gebilligt, sondern angewiesen haben sollen. Der Fall war bei internen Untersuchungen zur sogenannten Munitionsaffäre ans Licht gekommen, bei der Angehörige eines weiteren MEK aus Dienstbeständen rund 15 000 Schuss Munition für ein privates Schießtraining entwendet hatten. Das verantwortliche MEK war daraufhin komplett aufgelöst und der damalige Chef des LKA versetzt worden.

„Mutproben oder Aufnahmerituale gehören nicht in die Polizei“, sagte Penzel. Die Beamten hätten damit nicht nur die Grenzen eines gesitteten Miteinanders überschritten, sondern auch Trainingsmittel missbräuchlich verwendet. Sachsens Innenminister Roland Wöller zeigte sich erschüttert. Das Fehlverhalten sei „unentschuldbar und hat in der sächsischen Polizei nichts zu suchen“, sagte der CDU-Politiker. Die Verfehlungen Einzelner dürften nicht die erfolgreiche Arbeit ganzer Behörden in Verruf bringen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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