Suspendierte Kölner Polizisten

Verstörende Gewalt-Chats von Polizisten in Köln

Von Reiner Burger
25.11.2021
, 17:12
„Was da in Köln-Ehrenfeld passiert zu sein scheint, das geht überhaupt nicht“, sagt der nordrhein-westfälische Innen­minister Herbert Reul über die Gewalttaten der Polizisten. (Archivbild)
Mehrere Kölner Streifenbeamte haben sich in Chats über Gewalttaten ausgetauscht und mit brutalen Einsätzen geprahlt. Innenminister Herbert Reul kündigt an, in dem Fall alle rechtlichen Mittel zu nutzen.

Herbert Reul ist empört. „Was da in Köln-Ehrenfeld passiert zu sein scheint, das geht überhaupt nicht“, sagt der nordrhein-westfälische Innen­minister am Donnerstag im Landtag. Der Innenausschuss befasst sich in einer Sondersitzung mit schwerwiegenden Vorwürfen. Sechs Beamte, die in der Polizeiwache des Kölner Stadtteils eingesetzt sind, haben sich in Handy-Chats auf verstörende Weise über Gewalttaten bei Einsätzen ausgetauscht. Einmal schrieb einer der Männer einem Kollegen: „Hätte ich das gewusst, dass der so ein Hurensohn ist, hätte der mehr kassiert ... Irgendwann kriegen wir den sicher noch mal.“ In einer anderen Textnachricht prahlt ein Beamter, er habe „dem Türken gestern ein (sic) Kick gegeben ... Im Ernst, der ist hart geflogen. Schicke dir morgen mal Bilder von seiner Fresse.“ Aus einem Chat geht hervor, dass sich zwei der Beamten für eine gemeinsame Streifenfahrt einteilen lassen wollten. Dabei „nehmen wir auf jeden Fall jemanden fest und machen jemanden Kaputt“, heißt es in der Textnachricht.

Die Ermittlungen in dem Fall waren nach dem Tod eines 59 Jahre alten italienischen Staatsbürgers ins Rollen gekommen. Fünf der Beamten sollen bei einem Routineeinsatz Ende April übermäßig gewalttätig gegen den Mann vorgegangen sein, der danach in ein Krankenhaus kam. Dort stellten die Ärzte zwei gebrochene Rippen fest, trotzdem verließ der Mann die Klinik am selben Tag. Im Juni starb der an diversen Vorerkrankungen leidende Mann dann nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in einer anderen Klinik. Ob es einen Zusammenhang mit dem Geschehen bei dem Polizeieinsatz gibt, wird noch von Gutachtern untersucht. Gegen fünf der Polizisten im Alter zwischen 24 und 40 Jahren ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung im Amt und eine mögliche Verabredung zur Anwendung von Gewalt.

Chatverläufe lassen an Eignung der Beamten zweifeln

Für die vom Dienst suspendierten Verdächtigen gelte zwar die Unschuldsvermutung, sagt Reul am Donnerstag. Doch allein was in den Textnachrichten stehe, sei „starker Tobak“. Mit Prahlerei und Imponiergehabe junger Männer, wie ein Anwalt die Text-Nachrichten interpretiert habe, sei das Verhalten nicht zu erklären. Die entdeckten Chatverläufe ließen ihn ernsthaft an der inneren Haltung und Eignung der Beamten zweifeln. Diese Haltung habe in der nordrhein-westfälischen Polizei nichts zu suchen, sagt Reul und zitiert eine weitere Nachricht, in der sich einer der Beschuldigten brüstet, „gerade einen umgeklatscht“ zu haben. Neben dem Strafverfahren werde man auch alle beamten- und disziplinarrechtlichen Mittel in dem Fall nutzen.

Die Mitglieder des Innenausschusses pflichten Reul parteiübergreifend zu. „Unsere Polizei in Nordrhein-Westfalen ist ganz bestimmt keine Schlägertruppe“, konstatiert ein Abgeordneter der FDP. Die Landespolizei sei „selbstkritisch, rechtsstaatlich und professionell“, sagt Reul. Nur so sei zu erklären, dass es bei den mehr als 4,7 Millionen Einsätzen im Jahr 2020 nur rund 4500 Beschwerden gegeben habe. Nur in 370 Fällen habe es nach intensiver Prüfung Anhaltspunkte für disziplinar- oder strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gegeben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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