Schläge und Schüsse

Brutaler Angriff auf zwei Polizisten in Frankreich

Von Michaela Wiegel, Paris
08.10.2020
, 17:19
Drei flüchtige Täter sollen im Nordwesten von Paris über Beamten in Zivil hergefallen sein. Sie hätten „die klare Absicht zu töten“ gehabt, sagt Innenminister Gérald Darmanin.

Ein besonders brutaler Angriff auf zwei Polizisten entsetzt Frankreich. Innenminister Gérald Darmanin verurteilte die „beispiellose Gewalt“, mit der die drei flüchtigen Täter über die Beamten in Zivil hergefallen waren. Die Polizisten seien von den Angreifern regelrecht „massakriert“ worden. Sie hätten „die klare Absicht zu töten“ gehabt. Der Überfall ereignete sich am Mittwochabend im Industriepark der Gemeinde Herblay im Nordwesten von Paris. Die beiden Beamten in Zivil beobachteten das Gebäude einer suspekten Autoverleihfirma, als sie von den drei Männern angegriffen wurden. Es kam zu einer Schlägerei, bei der die Täter die Beamten überwältigten und ihnen ihre Dienstwaffen raubten. Beide Polizisten wurden durch Schüsse der Angreifer aus den geraubten Dienstwaffen teils schwer verletzt. Einer der beiden Beamten schwebte am Donnerstag noch in Lebensgefahr.

Im Kommissariat von Cergy-Pontoise nordwestlich von Paris, wo der 30 und der 45 Jahre alte Beamte arbeiten, herrschte Fassungslosigkeit. Innenminister Darmanin sicherte bei einem Ortsbesuch volle Aufklärung zu. Regierungschef Jean Castex bezeichnete die Täter als „feige“ und sprach von einem Angriff „auf die Republik“.

Der jüngere der Beamten, der lebensgefährlich verletzt wurde, ist erst seit einem Jahr im Polizeidienst. Er wurde von vier Schüssen in den Unterleib und ins Bein getroffen und erlitt zudem einen Schädelbruch. Sein älterer Kollege wurde von zwei Kugeln am Bein verletzt. Beide wurden im Krankenhaus behandelt. Ein Ermittler sagte, die Angreifer hätten die Polizisten für „fahrendes Volk“ gehalten. Die Täter hätten die Beamten aus ihrem Auto gezerrt und auf sie eingeschlagen. Sie hätten ihnen nicht nur die Waffen, sondern auch ein Mobiltelefon und ein Polizeifunkgerät gestohlen.

Die Gemeinde Herblay zählt nicht zu den sozialen Brennpunktvierteln. Der Industriepark ist ein beliebter Ort für Einkäufer aus dem Großraum, weil dort die großen Handelsketten für Möbel, Kleidung und andere Gebrauchsgüter ihre Geschäfte haben. Der konservative Bürgermeister Philippe Rouleau äußerte sich entsetzt über die Tat. Der Übergriff ereignete sich nach seinen Angaben „in einem ruhigen Gebiet fernab der Wohnhäuser“. „Die Situation ist schwerwiegend. Was braucht es noch, damit die Regierung endlich den Ernst der Lage erkennt und entschieden gegen die Kriminalität durchgreift?“, fragte die Rechtspopulistin Marine Le Pen. „Seit drei Jahren erleben wir eine Explosion der Gewalt, besonders gegen Sicherheitskräfte. Aber der Justizminister spricht lieber von einem Gefühl der Unsicherheit“, kritisierte der konservative Fraktionsvorsitzende Christian Jacob.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wiegel, Michaela
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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