Missbrauchsfall von Staufen

Gericht ordnet Sicherungsverwahrung für Angeklagten an

Von Rüdiger Soldt, Stuttgart
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 16:37
Der Mann war bereits 2018 wegen schwerer Vergewaltigung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nun ist gegen ihn doch noch Sicherungsverwahrung angeordnet worden.
Der Missbrauch eines Jungen in Staufen hat 2018 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nun hat das Freiburger Landgericht auch den letzten der vier Täter verurteilt.

Das Freiburger Landgericht hat für den 35 Jahre alten spanischen Staatsbürger Javier G.-D. Sicherungsverwahrung angeordnet. Der Mann gehörte einem Ring pädokrimineller Freier an, die zwischen September 2016 und August 2017 einen damals neun Jahre alten Jungen aus der südbadischen Stadt Staufen mehrfach schwer vergewaltigt und sexuell brutal missbraucht hatten. Der pädokriminelle Freier-Ring war Anfang 2018 von der Polizei enttarnt worden. Der Angeklagte war im Sommer 2018 vom Freiburger Landgericht zu einer zehnjährigen Haftstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs in 14 Fällen verurteilt worden – in einem Fall in Tateinheit mit Vergewaltigung. Verurteilt wurde er auch wegen Zwangsprostitution und wegen der Verbreitung von Kinderpornographie.

Für vier Angeklagte hatte das Gericht aufgrund der besonderen Gefährlichkeit Sicherungsverwahrung angeordnet – nicht jedoch für Javier G.-D. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb damals Revision, und der Bundesgerichtshof entschied im Mai 2019, den Fall vor einer anderen Kammer neu zu verhandeln.

Ein Hang zu erheblichen Straftaten

Dieser Aufforderung folgte das Freiburger Landgericht jetzt: Nach Auffassung des Gerichts würde der Mann auch nach einer möglichen Entlassung die Allgemeinheit gefährden. Bei ihm bestehe ein Hang zu erheblichen Straftaten. Das Gericht stellte gemäß der Vorschrift im Strafgesetzbuch einen „eingeschliffenen inneren Zustand“ fest, der zu immer neuen Straftaten führen werde.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte bei dem Angeklagten eine „homosexuelle Pädophilie mit ausschließlicher Präferenz auf Jungen im vorpubertären Alter“ diagnostiziert. Diese Erkrankung sei nicht mehr korrigierbar. Der Angeklagte habe starke Missbrauchsphantasien und eine starke Neigung zu „aggressivem Gewaltsex mit medizinischem Fetisch“.

Außerdem soll er im Darknet auch nach seiner Verurteilung mit einem Decknamen weiterhin Kontakte zu Pädophilen gesucht haben. Sein Verteidiger führte zugunsten seines Mandaten ins Feld, dass dieser vor zwei Jahren in Freiburg ein Geständnis abgelegt habe und zudem zu einer Therapie bereit sei.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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