FAZ plus ArtikelMafia in Deutschland

„Es gibt unglaublich viele Mythen“

Von David Klaubert
09.04.2021
, 15:00
Die Soziologin Zora Hauser erforscht die Mafia in Deutschland. Im Interview spricht sie über falsche Vorstellungen und strukturelle Probleme bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

Frau Hauser, Sie forschen an der Universität Oxford zur ’ndrangheta, der kalabrischen Mafia. In Deutschland, schreiben Sie, werde die kriminelle Organisation sowohl unter- als auch überschätzt. Wie meinen Sie das?

Organisierte Kriminalität ist allgemein ein gutes Thema, und es verkauft sich umso besser, je alarmistischer der Titel und der Inhalt sind. In der Berichterstattung entsteht so oft der Eindruck: Die Mafia ist überall, und sie ist allmächtig. Das hat in der breiten Bevölkerung scheinbar widersprüchliche Folgen. Einerseits ist immer schnell vom Mafioso die Rede, bei jedem italienischen Gastwirt, obwohl der Anteil an Kriminellen in Wirklichkeit gering ist. Das Thema wird fast schon folkloristisch wahrgenommen. Auch wegen dieser Übertreibungen wird es zugleich aber nicht ernst genommen. Wenn dann doch einmal die Polizei kommt und einen festnimmt, ist die Reaktion immer wieder: Das hätte ich nie gedacht!

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Klaubert, David
David Klaubert
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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