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Urteilsverkündung

Lebenslange Haft für Vater nach Vierfachmord

 - 21:31

Der 31 Jahre alte K. muss wegen des bundesweit beachteten Vierfachmords von Gunzenhausen im Juni vergangenen Jahres lebenslang ins Gefängnis. Zudem stellte das Landgericht Ansbach die besondere Schwere der Schuld fest, womit ein vorzeitiges Haftende ausgeschlossen ist.

Der Angeklagte, gegen den bereits ein Kontaktverbot bestand, hat seine gesamte Familie erstochen – weil sich seine Frau von ihm trennen wollte. Der Vorsitzende Richter hielt eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren für zu gering.

K. nahm das Urteil so wie zuvor die Plädoyers ohne besondere Regung auf. Er schaute während der Urteilsbegründung die ganze Zeit auf den Boden. Er vermied es, seinen Schwiegervater, der ihm immer wieder hasserfüllte Blicke zuwarf, anzuschauen.

Die Beweislage in dem Fall war so eindeutig, dass K. von Anfang an als Täter feststand. Auch die Verteidigung bestreitet nicht den Vierfachmord. „Natürlich“ sei er der Mörder, sagt die Pflichtverteidigerin. Über dem Prozess stand deshalb viel mehr die Frage, ob es sich um eine Familientragödie handelt – oder ob es doch am Ende ein eiskalter Mord war.

Kontaktverbot für den Vater vor der Tat

Für Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger war es keine Sache des Schicksals, sondern ein klarer Mordfall. „Er wollte seine Frau bestrafen für die erfolgte Trennung.“ Dass K. nach den Morden vom Balkon der im dritten Stock gelegenen Wohnung sprang, sei kein Suizidversuch gewesen. Er sei gezielt mit den Beinen voran auf eine Grünfläche gesprungen – es sei sicher gewesen, dass er überlebt. Damit sei die Tat kein erweiterter Suizid.

Dem allerdings widerspricht der Vorsitzende Richter Claus Körner, der ansonsten der Staatsanwaltschaft umfassend folgt. Ja, K. sei aus einer Selbsttötungsabsicht gesprungen, sagt der Richter. Bei einem Sprung aus zehn Metern Höhe rechne jeder damit, entweder zu sterben oder schwer verletzt zu werden. K. habe auch keinerlei Pläne für eine Flucht geschmiedet – ihm sei völlig egal gewesen, was nach den Morden passiert. Dies bleibt die einzige Diskrepanz zwischen Anklage und Gericht. Ansonsten bewerteten beide Seiten die Tat und den Täter sehr ähnlich.

Auslöser des blutigen Abschlachtens war demnach ein vollkommen harmloser Vorfall wenige Tage vor der Tat. Die beiden sieben und neun Jahre alten Jungs stritten sich beim Spielen mit der Playstation, einer der beiden fing an zu weinen. K. schlug sie daraufhin.

Seine Frau, die schon wiederholt die Schläge ihres leicht aufbrausenden Mannes gegen die Kinder und sich selbst hatte erleben müssen, schickte ein Foto der geröteten Körper ihrer Kinder in die familieneigene Whatsapp-Gruppe, ihre Schwester verständigte daraufhin die Polizei. Die verhängte ein Kontaktverbot – der harmlose Kinderstreit wurde damit zum tödlichen Verhängnis.

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“

„Ein unfassbares Verbrechen ist geschehen in Gunzenhausen“, sagte der Richter. Der nach Gutachten nur unterdurchschnittlich intelligente Arbeiter ging dabei listig vor. Seine Frau hatte sich Schutz von ihrem Bruder geholt, der vorübergehend bei ihr einzog.

Doch mit der Finte, frische Wäsche und sein Handyladekabel zu benötigen, konnte K. den Schwager für wenige Minuten aus der Wohnung locken. Angeblich wollte er sich zu der Übergabe früh morgens vor dem Haus einfinden – tatsächlich hatte er sich da längst ins Gebäude geschlichen und dann binnen Minuten die Familie ausgelöscht.

Dabei ging er mit kaum zu ertragender Brutalität vor. Er stach so tief mit dem Messer in seine Söhne, dass die Klinge mehrmals auf der anderen Seite des Körpers wieder nach außen drang. Alle Angehörigen verbluteten in wenigen Minuten.

Die Hinterbliebenen hörten sich im Gerichtssaal diese unerträglichen Details trotz des Schmerzes im Gerichtssaal an – sie wollten dem Mann noch einmal gegenüber stehen, der ihre Familie zerstört hat. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagte der Bruder der getöteten Ehefrau.

Quelle: AFP/dpa
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