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Was bedeutet „lebenslang“?

Häftling in Iowa will nach kurzzeitigem Herzstillstand freigelassen werden

Von David Kampmann
Aktualisiert am 12.11.2019
 - 14:29
Muss weiter sitzen: Benjamin Schreiber wird nicht durch Tod und anschließende Reanimierung freikommen.
Wegen Mordes wurde ein Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach einer Krankheit muss er wiederbelebt werden – und sieht seine Strafe wegen seines kurzzeitigen Todes als abgesessen.

Dass Mörder mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen müssen, darüber dürften sich Juristen in den meisten Staaten der Welt, in denen die Todesstrafe abgeschafft ist, einig sein. Was jedoch lebenslänglich konkret bedeutet, darüber wiederum scheiden sich die Geister. Während manche Rechtssysteme vorsehen, dass der Verurteilte bis zu seinem Ableben in Haft bleibt, kann in anderen die Definition durchaus variieren und mit viel Spielraum verbunden sein.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind zuweilen ein Land mit vielen Gesichtern. Was in einem Bundesstaat rechtliche Gültigkeit besitzt, tut dies nicht zwangsläufig in einem anderen. Bei der Definition der lebenslangen Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit einer Bewährung herrscht jedoch weitgehend Einigkeit: der Verurteilte wird auf Lebenszeit in Haft bleiben.

Benjamin Schreiber gehört zu denen, die im Bundesstaat Iowa diese Art von Strafe absitzen. Des Mordes für schuldig befunden wurde der heute 66 Jahre alte Mann 1997 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit einer Bewährung verurteilt. Die englische Formulierung „to life“ hat Schreiber nun auf eine sehr eigene Weise ausgelegt, wie amerikanische Medien berichten. Im März 2015 bekam Schreiber in der Haft Nierensteine, die eine Blutvergiftung nach sich zogen. Schreiber verlor in seiner Zelle das Bewusstsein und wurde in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert. Dort musste er laut gerichtlichen Dokumenten mehrfach reanimiert werden.

Gerichte weisen Einwände ab

Da eine Reanimierung seinen zwischenzeitlichen Tod voraussetzte, ging Schreiber zu einem kuriosen Schritt über: Da er vorübergehend tot gewesen sei und die Reanimierungen gegen seinen Willen durchgeführt worden seien, könne er nicht länger in Haft sitzen, so seine Position. Mit dieser zog er im April 2018 vor Gericht und verlangte entsprechend sofort freigelassen zu werden. Sein Versuch blieb erfolglos. Das Gericht verweigerte sein Gesuch und bezeichnete es als „nicht überzeugend und unbegründet“.

Schreiber gab sich mit dieser Niederlage nicht zufrieden und zog vor das Berufungsgericht des Staates Iowa in der Hauptstadt Des Moines. Das Gericht bestätigte am vergangenen Mittwoch das Urteil. „Entweder ist Schreiber noch am Leben, was bedeutet, dass er in Haft bleiben muss, oder er ist tatsächlich tot, was seine Berufung irrelevant machen würde“, schrieb die zuständige Richterin Amanda Potterfield in der Urteilsbegründung.

Schreibers Fall ist nicht der erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Jerry Rosenberg (1937-2009), wegen bewaffneten Raubüberfalls und des Mordes an zwei Polizisten in New York strafrechtlich verurteilt, hatte 1988 versucht, seine Haftstrafe gerichtlich beenden zu lassen. Begründung: Sein Herz habe während einer Operation zwischenzeitlich ausgesetzt und er sei damit gestorben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kampmann, David
David Kampmann
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