US-Gericht hebt Urteil auf

42 Jahre unschuldig in Haft

Von Christiane Heil, Los Angeles
24.11.2021
, 21:32
In Freiheit:  Kevin Strickland
Kevin Strickland wurde 1979 wegen Mordes verurteilt – zu Unrecht, wie nun ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat Missouri feststellte. Eine Haftentschädigung bekommt der 62 Jahre alte Afroamerikaner nicht.
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Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat Missouri nach mehr als 42 Jahren ein Urteil gegen den zu Unrecht wegen Mordes verurteilten Kevin Strickland aufgehoben. Der 62 Jahre alte Afroamerikaner wurde am Dienstag aus dem Gefängnis entlassen, nachdem das Midwest Innocence Project, eine Organisation zur Aufklärung von Justizirrtümern, jahrelang Beweise für seine Unschuld gesammelt hatte. Schon im Mai erklärte die Staatsanwaltschaft des Bezirks Jackson Strickland für „faktisch unschuldig“. Das Justizministerium des Bundesstaats Missouri hielt aber bis zu einer Anhörung vor zwei Wochen an dem Schuldspruch aus dem Jahr 1979 fest.

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Strickland war damals wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe mit der Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung nach 50 Jahren verurteilt worden. Die Jury sah es als erwiesen an, dass er mit drei Komplizen bei einem Einbruch drei Menschen erschoss und eine Frau schwer verletzte.

Verwechslung bei der Identifizierung

Die 20 Jahre alte Cynthia Douglas hatte sich bei dem Überfall tot gestellt. Als sie einem Freund die Täter später beschrieb, fühlte sich dieser an Strickland erinnert. Bei einer Gegenüberstellung glaubte Douglas, den damals Siebzehnjährigen zu erkennen. Wie das Midwest Innocence Project recherchierte, gab der an dem Überfall beteiligte Vincent Bell aber bereits vier Monate nach Stricklands Verurteilung an, Douglas habe Strickland verwechselt. Auch Douglas selbst erklärte später mehrmals, sich bei der Identifizierung geirrt zu haben.

Strickland, der zu den Unschuldigen mit der längsten Haftzeit in amerikanischen Gefängnissen gehört, erwartet nach mehr als 42 Jahren aber keine Entschädigung. Der Bundesstaat Missouri sieht nur Zahlungen an Unschuldige vor, deren Urteile mithilfe von DNA-Analysen aufgehoben wurden.

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Quelle: F.A.Z.
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