Amerika

Nach Missbrauchsskandal melden Pfadfinder Konkurs an

18.02.2020
, 11:24
Der Verband der amerikanischen Pfadfinder wurde beschuldigt über Jahrzehnte Misshandlungen vertuscht zu haben. Nun meldet die Organisation Konkurs an und will die Opfer entschädigen.

Der Verband der amerikanischen Pfadfinder hat am Dienstag Konkurs angemeldet, um Entschädigungszahlungen an Opfer von sexuellem Missbrauch zahlen zu können. Ziel sei es, alle Missbrauchsopfer zu entschädigen und die Mission des Verbands auch in Zukunft fortzuführen, teilten die Boy Scouts of America (BSA) am Dienstag mit. Alle Programme und Aktivitäten der Pfadfinder sollten wären des Insolvenzverfahrens „und für viele weitere Jahre“ fortgeführt werden, hieß es. Laut Mitteilung handelt es sich um ein Verfahren nach Kapitel 11 des amerikanischen Insolvenzrechts, das auf die Sanierung eines Unternehmens abzielt.

Medienberichten zufolge gibt es Hunderte Missbrauchsklagen gegen die Boy Scouts und Tausende Opfer von sexuellem Missbrauch. Kinder und Jugendliche seien Pornografie ausgesetzt sowie zum Anal- und Oralverkehr gezwungen worden, meldete der Sender CNN. Insgesamt sollen mehr als 7.800 Pfadfinderführer in einem Zeitraum von 72 Jahren (1944 bis 2016) mehr als 12.000 Opfer missbraucht haben. Laut CNN übersteigen die Verbindlichkeiten des Verbandes, dessen Mitgliederzahl schrumpft, die Vermögenswerte um ein Vielfaches.

„Die BSA sorgt sich sehr um alle Opfer von Missbrauch und entschuldigt sich aufrichtig bei allen, die während ihrer Zeit in der Pfadfinderei Schaden genommen haben. Wir sind empört, dass es Zeiten gab, in denen Individuen unserer Programme ausnutzten, um unschuldige Kinder zu verletzen“, sagte BSA-Präsident Roger Mosby laut Mitteilung. Ortsverbände seien von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen, weil sie von der nationalen Organisation rechtlich getrennt und finanziell unabhängig seien, teilte die BSA weiter mit.

Die Enthüllungen über sexuellen Missbrauch bei den Boy Scouts of America kamen 2012 durch ein Gerichtsverfahren ans Licht. Der Organisation wird vorgeworfen, Misshandlungen von Generationen von Jugendlichen vertuscht zu haben und nicht ausreichend gegen Pädophile in den eigenen Reihen vorgegangen zu sein.

Der 1910 gegründete amerikanische Pfadfinderverband hat nach eigenen Angaben rund 2,2 Millionen Mitglieder im Alter zwischen fünf und 21 Jahren.

Quelle: AFP/dpa
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