Prozess in Mannheim

Ein Druide als Hassprediger

Von Rüdiger Soldt, Stuttgart
21.01.2022
, 19:14
Karl B. spricht im Verhandlungssaal mit seinen Anwälten.
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Vor fünf Jahren wurde der Hauptangeklagte verhaftet, jetzt steht er wegen Volksverhetzung vor Gericht. Der 71 Jahre alte Mann und selbst ernannte „Druide“ hat nun in Mannheim ein Geständnis abgelegt.

Im Strafprozess gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Reichsbürgern hat der 71 Jahre alte Hauptangeklagte Karl Burghard B. ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus dem badischen Brühl stammenden Mann in elf Fällen Volksverhetzung und unerlaubten Waffenbesitz vor. Er soll im Internet mehrfach den Holocaust geleugnet und zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufgerufen haben.

Die drei mitangeklagten Männer im Alter von 56, 57 und 65 Jahren müssen sich wegen unerlaubten Waffen­besitzes vor der vierten Strafkammer des Mannheimer Landgerichts verantworten, für die Männer streben Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung eine Verständigung an.

Rassistische, islamfeindliche sowie antisemitische Propaganda

Die Männer sollen einer „Reichsbürger-Zelle“ angehört haben, die bei einer polizeilichen Durchsuchungsaktion im Januar 2017 aufgeflogen war. Der Vorwurf der Bundesanwaltschaft, die Männer hätten eine rechtsterroristische Vereinigung gebildet, ließ sich nicht belegen.

Die Verhaftung des jetzigen Hauptangeklagten Karl B. hatte vor fünf Jahren für Schlagzeilen gesorgt, weil dieser sich als „Burghard von Buchonia“ und als „keltischer Druide“ ausgegeben hatte. Einige seiner Komplizen nannten ihn auch „Nazi-Gandalf’“. Im badischen Brühl, der Heimatstadt der Tennisspielerin Steffi Graf, war er jahrelang auf­gefallen, weil er in den Rheinauen einen Steinkreis errichten wollte – ähnlich wie die jungsteinzeitliche Kultstätte Stonehenge im Süden Großbritanniens.

Im Internet hatte der Mann über Jahre rassistische, islamfeindliche sowie antisemitische Propaganda verbreitet. Die Flüchtlingskrise nannte er einen „Plan jüdischer Feinde“, den früheren Außenminister Joseph Fischer (Grüne) bezeichnete er als Juden. Im Jahr 2012 forderte er auf einer Veranstaltung die „Zwangschristianisierung Europas“.

Im Jahr 2019 rechtfertigte der selbst ernannte Druide im Internet auch den Mord an dem früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Er forderte, weitere „Volksfeinde“ hinzurichten. Ermittler und Terrorismusfachleute rechnen den Mann einer esoterisch-rechtsextremistischen Szene zu, die vor allem nach der Flüchtlingskrise Zulauf gehabt haben soll.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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