Bluttat von Augsburg

Wann Videoüberwachung nützlich sein kann

Von Stefanie Sippel
Aktualisiert am 10.12.2019
 - 21:01
Menschen stehen an einem Rondell am Königsplatz vor Kerzen und Blumen.
In Augsburg wurde ein Mann angegriffen und starb. Der Platz war, wie viele andere öffentliche Orte, videoüberwacht. Wie hilfreich ist das für die Polizei?

Ein Faustschlag, das Opfer geht zu Boden und stirbt kurz darauf. Wie schnell eine solche Gewalttat geschehen kann, zeigt der Fall auf dem Augsburger Königsplatz. Dort kam ein 49 Jahre alter Feuerwehrmann am Freitag ums Leben, nachdem er zuvor unerwartet angegriffen worden war. Mit seiner Frau und einem befreundeten Paar war er zu Fuß in der Innenstadt unterwegs. Gegen den 17 Jahre alten Hauptverdächtigen und sechs weitere Verdächtige ergingen Haftbefehle. Der Fall konnte wohl auch Dank der Videoüberwachung an dem Platz so schnell aufgeklärt werden. Die Kameras waren im Oktober 2018 installiert worden.

Videoüberwachung habe eine präventive Wirkung, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Das Risiko, entdeckt zu werden, sei dann größer. „Bei hoher krimineller Energie lassen sich Taten nicht verhindern.“ Jedoch könne der Täter so identifiziert werden. „Das Material gibt Hinweise auf Aussehen und Verhalten“, sagt Radek. Dazu brauche es erfahrene Ermittler, die auch polizeibekannte Täter erkennen.

An öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Parks oder Marktplätzen können Kameras installiert werden. Radek nennt diese Stellen neuralgische Punkte: Das sind Orte, an denen besonders häufig etwas passiert. Punkte, an denen sich Menschen treffen. Jedoch könne eine Kamera nicht ohne Weiteres installiert werden. Gegenüber einem Gericht müsse die erhöhte Gefährdung an diesem Ort begründet werden. Installiert werden können die Kameras von der Polizei selbst, aber auch von Verkehrsunternehmen, Kommunen oder privaten Betreibern wie Tankstellen.

Sie werden an Orten aufgestellt, für die es bereits polizeiliche Erkenntnisse gibt und an denen eine Gefährdung besteht. Doch könne eine Straftat nicht immer verhindert werden. „Die Tat in Augsburg war besonders brutal“, sagt Radek. Es half auch nicht, dass die Polizei in der Stadt den Platz schon seit Jahren im Auge hat. Das Polizeipräsidium habe viel Fachkompetenz in Eigenregie erarbeitet, sagt Roland Kerscher, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord und Leiter der Arbeitsgruppe Videoüberwachung.

Seit drei Jahren beschäftigt die Arbeitsgruppe sich mit dem Thema. Hier wird das Wissen zu dem Thema gebündelt: Polizeibeamte, Techniker und Juristen tauschen ihr Wissen aus und beraten Dienststellen in Bayern. Auch die Polizeipräsenz an Ort und Stelle sei wichtig, sagt Jörg Radek. „Polizei ist immer abschreckender als die kalte Technik.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sippel, Stefanie
Stefanie Sippel
Volontärin.
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