Mordkommission ermittelt

SEK durchsucht Wohnung nach Schießerei in Berlin-Kreuzberg

26.12.2020
, 17:31
In der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtstag sind in Berlin-Kreuzberg vier Männer durch Schüsse schwer verletzt worden. Die Polizei geht von einem Verbrechen im Milieu der Organisierten Kriminalität aus.

Es war noch stockdunkel, als am frühen Morgen des zweiten Weihnachtstages in Berlin-Kreuzberg Schüsse fielen. Vier Männer wurden dabei schwer verletzt, wie die Berliner Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft am Samstag mitteilten. Nach derzeitigem Kenntnisstand alarmierten Anwohner die Polizei, die die Schüsse in der Stresemannstraße in unmittelbarer Nähe der SPD-Parteizentrale gehört hatten.

Die Einsatzkräfte fanden drei Verletzte noch am mutmaßlichen Tatort. Ein vierter Verletzter sprang in den nahen Landwehrkanal, aus dem ihn Rettungskräfte herauszogen. Die Polizei war im Dauereinsatz. Die Staatsanwaltschaft geht bei der Schießerei von einem Verbrechen im Milieu der Organisierten Kriminalität aus.

Die verletzten Männer, im Alter von zweimal 30 sowie jeweils einmal 39 und 42 Jahren, kamen den Angaben zufolge zur Behandlung in Krankenhäuser, wo sie stationär aufgenommen wurden. Die 1. Mordkommission hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen.

SEK durchsucht Wohnung

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin teilte auf Twitter mit: „Wegen der Schiesserei im Milieu der Organisierten Kriminalität ermitteln wir gemeinsam mit einer Mordkommission der Polizei Berlin gegen mehrere Tatverdächtige wegen versuchten Mordes und prüfen die Beantragung von Haftbefehlen.“ Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, dabei gehe es um Personen, die zur Gruppe der vier Verletzten gehörten. Um wie viele es sich handele, sagte er nicht.

Mehrere Dutzend zum Teil schwer bewaffnete Polizeibeamte waren bereits vor Sonnenaufgang rund um den Ort des Geschehens im Einsatz. Auch ein Hubschrauber flog auf der Suche nach Beteiligten über der Hauptstadt. Festnahmen gab es zunächst nicht.

Am Nachmittag waren auch SEK-Beamte am Tatort, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Sie gingen mit Waffe im Anschlag in ein Gebäude und durchsuchten eine Wohnung, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Der SEK-Einsatz war nach Angaben der Polizei am späten Nachmittag wieder beendet, der Einsatz insgesamt dauerte noch an.

Polizei ermittelt über Stunden am Tatort

Der Tatort befindet sich augenscheinlich in einer Toreinfahrt an der Stresemannstraße. Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab, nicht zuletzt für die Spurensicherung. Einem Polizeisprecher zufolge waren auch Polizeitechniker am Ort. In der Stresemannstraße 23 gegenüber der SPD-Parteizentrale war in einer Tür ein Einschussloch zu sehen, wie der dpa-Fotograf berichtete, nicht weit davon entfernt ein weiteres Einschussloch in einer Glastür. Der Fußweg vor dem mutmaßlichen Tatort war abgesperrt.

Ein Sprecher der Berliner Feuerwehr sagte am Samstag, um 3.54 Uhr sei wegen der Schüsse in Kreuzberg ein Notruf eingegangen. Die Feuerwehr sei mit einem Großaufgebot, mehreren Rettungswagen, drei Notärzten und einem leitenden Notarzt vor Ort gewesen. Der Einsatz sei am frühen Morgen beendet worden. Anders der der Polizei, die den ganzen Samstag über stundenlang am Tatort ermittelt hat. Die Hintergründe der Schießerei seien noch nicht bekannt, sagte ein Polizeisprecher am späten Nachmittag. Die Ermittlungen dauerten an.

In Berlin gibt es immer wieder Auseinandersetzungen auch zwischen einzelnen Gruppen oder Familien. Zuletzt hatte es in Kreuzberg nach Schüssen auf einen 29-Jährigen eine Attacke von etwa zehn Männer auf eine Erdgeschosswohnung und ein Auto gegeben.

Im Februar hatte eine Schießerei am Berliner Tempodrom in der Möckernstraße, nicht weit vom aktuellen Tatort entfernt, mit einem Toten und vier Verletzten für Aufsehen gesorgt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, Mordkommission inklusive. Gegen einen 48-jährigen Mann, der einen 42-Jährigen erschossen haben soll und bei der Auseinandersetzung selbst schwer verletzt wurde, wurde damals Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Quelle: dpa
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