Mordserie in San Francisco

Identität des Zodiac-Killers gelüftet?

Von Christiane Heil, Los Angeles
07.10.2021
, 12:01
Auf diesem Aktenfoto vom 3. Mai 2018 sind in San Francisco eine Fahndungsmeldung des San Francisco Police Department und Kopien von Briefen zu sehen, die der San Francisco Chronicle von einem Mann erhalten hat, der sich Zodiac nannte.
Pensionierte FBI-Beamte und Staatsanwälte scheinen den berühmten Serienmörder entlarvt zu haben. Sie sollen ihm anhand von Fahndungsbildern und Kryptogrammen auf die Schliche gekommen sein.

Das Rätsel um den Serientäter „Zodiac“, der Nordkalifornien vor mehr als 50 Jahren mit Morden und verschlüsselten Botschaften in Angst versetzte, ist geklärt – zumindest laut The Case Breakers. Die Gruppe aus pensionierten Beamten der amerikanischen Bundespolizei (FBI), ehemaligen Ermittlern und Staatsanwälten gab am Mittwoch bekannt, den früheren Soldaten Gary Francis Poste als Täter entlarvt zu haben. Poste, der 2018 im Alter von 80 Jahren starb, soll durch einen Abgleich von Fahndungsbildern mit Fotos aus seiner Dunkelkammer identifiziert worden sein. Wie The Case Breakers mitteilten, zeigen beide mehrere charakteristische Narben auf der Stirn des angeblichen Serienmörders. Zudem soll es der privaten Ermittlergruppe gelungen sein, Kryptogramme zu entschlüsseln, in denen Poste sich als „Zodiac“ zu erkennen gab.

Während der Mordserie, bei welcher der Täter zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 in San Francisco und benachbarten Städten wie Vallejo und Benicia mindestens fünf Menschen, unter ihnen zwei Liebespaare, tötete, hatte er Zeitungsredaktionen der Bay Area mehrere kodierte Briefe geschickt. In einem der Schreiben, bekannt als Chiffre 408, ließ „Zodiac“ wissen, aus Spaß am Töten zu morden. In Chiffre 340, die Spezialisten für Geheimcodes aus den Vereinigten Staaten, Australien und Belgien im vergangenen Dezember entschlüsselten, erklärte der Serienmörder, nicht in der Gaskammer enden zu wollen. Seinen wahren Namen gab „Zodiac“ in der Nachricht aber wider Erwarten nicht preis.

„Ich bin absolut sicher, dass wir den Fall gelöst haben“

Die Gruppe The Case Breakers des kalifornischen Fernsehproduzenten und Sicherheitsberaters Thomas Colbert, der vor einigen Jahren angeblich auch den Fall Dan Cooper, die einzige bis dahin ungeklärte Flugzeugentführung in der Geschichte der amerikanischen Luftfahrt, löste, will nun Postes Namen in den verschlüsselten Schreiben entdeckt haben. Die Ermittler waren durch den Hinweis eines Verwandten auf den Anstreicher aus der Kleinstadt Groveland aufmerksam geworden. Hinter dem selbst gewählten Pseudonym Zodiac (Tierkreis) meinte der Unbekannte, verberge sich Gary Francis Poste. Poste hatte angeblich versucht, den Hinweisgeber mit einem Hammer zu töten.

Am Mittwoch meldete sich auch die frühere Schwiegertochter des angeblichen Serientäters. Sie sagte dem San Francisco Chronicle, Kalifornien verlassen zu haben, nachdem Poste sie immer wieder bedroht hatte. Als Colbert und seine Ermittler den Namen des Verdächtigen mit den verschlüsselten Botschaften verglichen, sollen sie in Anagrammen auf Poste gestoßen sein. „Ich bin absolut sicher, dass wir den Fall gelöst haben“, sagte Colbert dem San Francisco Chronicle. Neben den fünf Morden in Nordkalifornien, ergaben die Recherchen der Case Breakers, soll Poste auch für den Mord an Cheri Jo Bates in Riverside im Süden des Pazifikstaates verantwortlich sein. Der verstümmelte Leichnam der 18 Jahre alten Studentin war im Oktober 1966 auf dem Campus des Riverside City College gefunden worden. Obwohl das Tatort fast 700 Kilometer von San Francisco entfernt lag, galt der Fall Bates wegen der Tatumstände und Bekennerschreiben lange als „Zodiacs“ erster Mord.

Dass einer der grausamsten Serienmörder der Vereinigten Staaten nach mehr als 50 Jahren enttarnt worden sein soll, weckt aber auch Zweifel. Der Computerfachmann David Oranchak, der half, Chiffre 340 zu entschlüsseln, hält es für unwahrscheinlich, dass das erwähnte Anagramm tatsächlich „Zodiacs“ Namen verrät. Anagramme, die Veränderung von Buchstabenfolgen, böten meist eine ganze Reihe von Interpretationen. FBI und San Francisco Police Department verweisen derweil auf die eher weichen Indizien, die Colbert und seine Mitstreiter zusammengetragen hätten. „Der Fall Zodiac bleibt offen“, teilten die Justizbehörden jetzt mit.

Quelle: F.A.Z.
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