Mariä Himmelfahrt

Saarländer oder Bayer müsste man sein!

15.08.2022
, 12:40
Katholiken feiern an Mariä Himmelfahrt die „leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“.
Katholiken feiern am 15. August Mariä Himmelfahrt. Für einen Teil Deutschlands bedeutet das: Feiertag. Doch worum geht es bei dem Fest eigentlich genau?
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Katholiken in Deutschland und aller Welt feiern am 15 August Mariä Himmelfahrt. Das Fest ist kein beweglicher Feiertag, es findet also jedes Jahr am 15. August statt.

Was wird an Mariä Himmelfahrt gefeiert?

An diesem Feiertag erinnern Katholiken an die „leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“. Diese wird zwar nicht in der Bibel beschrieben, wurde aber 1950 als bisher letztes katholisches Dogma von Papst Pius XII. verkündet. Ein Dogma in der katholischen Kirche ist ein „mit höchster Autorität verfasster unfehlbaren Lehr- und Glaubenssatz“. Darin heißt es unter anderem, dass „die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde“.

Nach katholischer Lehre lebt die Seele nach dem Tod weiter, während der Leib erst am Tag des Jüngsten Gerichtes auferweckt wird. Die sofortige leibliche Aufnahme Mariens ist also ein besonderes Privileg, das die herausragende Rolle der Muttergottes betont. Papst Benedikt XVI. hat es einmal so formuliert: „Wir glauben, dass Maria, wie Christus ihr Sohn, den Tod schon besiegt hat.“

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Wo ist Mariä Himmelfahrt gesetzlicher Feiertag?

An Mariä Himmelfahrt muss in Deutschland nur im Saarland nicht gearbeitet werden sowie in großen Teilen Bayern (außer in weiten Teilen Ober- und Mittelfrankens), und zwar in genau 1704 von 2056 Kommunen mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Die Zahl der katholischen Gemeindemitglieder muss also die der evangelischen übersteigen.

Dies wurde nach den Ergebnissen der Volkszählung von 2011 neu festgelegt. Es gilt der Hauptwohnsitz. In fünf der acht bayerischen Großstädte ist der Tag damit ebenfalls ein katholischer Feiertag. Das gilt für München, Augsburg, Würzburg, Regensburg und Ingolstadt. In Nürnberg, Fürth und Erlangen wird dagegen am Montag gearbeitet.

Gemäß Artikel 1 Absatz 1 Nummer 2 des Gesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage ist in Bayern der 15. August in einer Gemeinde dann ein gesetzlicher Feiertag, wenn dort mehr katholische als evangelische Einwohner ihren Hauptwohnsitz haben. In der evangelischen Kirche ist Mariä Himmelfahrt kein besonderer Festtag.

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Was ist der wichtigste Unterschied zu Christi Himmelfahrt?

Die katholische Lehre besagt: Christus steigt aus eigener Kraft zu Gott empor, Maria dagegen wird in den Himmel aufgenommen. Im Deutschen heißt beides zwar Himmelfahrt, im Lateinischen aber wird der Unterschied deutlich: Mariä Himmelfahrt heißt „Assumptio Mariae“, also „Annahme, Aufnahme Mariens“, Christi Himmelfahrt heißt dagegen „Ascensio Christi“, also „Hinaufsteigen Christi“.

Seit wann wird Mariä Himmelfahrt gefeiert?

Das Fest hat seinen Ursprung in der Ostkirche (in Patriarchen wie beispielsweise Konstantinopel und Jerusalem), wo es im Jahr 431 eingeführt wurde. Im 6. Jahrhundert folgen erste legendarische Darstellungen. In der römischen Kirche wird die Aufnahme Mariens in den Himmel seit dem 7. Jahrhundert gefeiert, in Deutschland seit dem 9. Jahrhundert. Seit der Zeit der katholischen Reform nach dem Konzil von Trient (1545-1563), das Maria von der Erbsünde ausnahm, wurde die Lehre von der Aufnahme Mariens in den Himmel bewusster, ehe sie dann 1950 von Pius XII. zum Dogma erhoben wurde.

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Diese Länder weltweit feiern Mariä Himmelfahrt

In Österreich und in Liechtenstein ist der 15. August landesweit gesetzlicher Feiertag, ebenso in acht Kantonen der Schweiz. In weiteren sieben Kantonen ist in etlichen Gemeinden arbeitsfrei. Außerdem ist Mariä Himmelfahrt in etlichen anderen katholischen Staaten weltweit Feiertag – in Europa etwa in Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Polen, Portugal und Spanien.

Italien widmet das Fest Mariä Himmelfahrt auch der Kunst und Kultur. Eine Vielzahl an Museen, Denkmäler und Schlösser, Parks und Gärten sowie archäologische Stätten im ganzen Land öffneten 2022 ihre Tore für Besucher, wie das italienische Kulturministerium auf Twitter mitteilte. Ferragosto, wie Mariä Himmelfahrt in Italien heißt, ist die Haupturlaubszeit der Italiener. Viele Geschäfte, Einrichtungen und Restaurants schließen für den Rest des Monats.

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Und was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff „Maria Entschlafung“?

In der Ostkirche wird das Fest bis heute als „Tag der Entschlafung“ und Maria als die „Panagia“, die „Allerheiligste“, bezeichnet, die als erster Mensch die Vergöttlichung erfahren habe, weil Christus ihre Seele sofort ins Paradies holte. Auch wenn liturgische Texte des Festes die Unversehrtheit ihres Leibes im Tod bekennen, bleibt die orthodoxe Theologie hinsichtlich einer leiblichen Aufnahme in den Himmel zurückhaltend. Ebenso meidet die orthodoxe Theologie die Begriffe der „Aufnahme“ und der „Himmelfahrt“ der Gottesmutter. Den wichtigen Rang des Festes im geistlichen Leben der Ostkirchen unterstreicht jedoch eine 14-tägige Fastenzeit („Marienfasten“), die auf das Fest vorbereitet.

So feiert der Papst in Rom

Der 15. August ist in Italien nicht nur Mariä Himmelfahrt, sondern auch „Ferragosto“, ein Feiertag, an dem in Rom fast alles stillsteht. Der Begriff geht auf die heidnischen „Feriae Augusti“ (Ferien des Augustus) aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zurück. Der römische Kaiser Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.) hatte an diesem Datum seinen Untertanen das Privileg eines freien Tags gewährt.

Welches Brauchtum ist mit dem Fest verbunden?

In katholischen Regionen Deutschlands und darüber hinaus sind an dem auch als „großer Frauentag“ bekannten Fest vor allem Lichterprozessionen und Kräuterweihen populär. Dabei werden bis zu 77 verschiedene Kräuter und Pflanzen gesammelt, zu sogenannten Buschen zusammengebunden und gesegnet. Danach werden sie oft im Haus aufgehängt, wo sie gegen Krankheiten, Gewitter und Blitzschlag helfen sollen, oder sie werden kranken Tieren unters Futter gemischt.

An Mariä Himmelfahrt wird in Gengenbach „Kräuterbüscheltag gefeiert
Jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt wird im badischen Gengenbach der „Kräuterbüscheltag“ gefeiert. Bild: dpa

Einer Legende nach öffneten die Jünger das Grab Mariens und fanden nicht ihren Leichnam, sondern blühende Blumen und Kräuter. Daraus hat sich die Tradition der Kräutersegnung entwickelt. Heute wird daraus oft auch der Appell abgeleitet, die Natur mitsamt ihrer Schönheit und Heilkraft wieder stärker zu achten.

Quelle: KNA
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