Mars-Hubschrauber Ingenuity

Selfie vor dem historischen Flugversuch

Von Sibylle Anderl
08.04.2021
, 15:49
Mosaik: Dieses Foto von Perseverance und dem Hubschrauber Ingenuity ist aus 62 Einzelaufnahmen zusammengesetzt.
Sollte das Manöver glücken, wäre es der erste kontrollierte, motorisch angetriebene Flug auf einem fremden Planeten: Voraussichtlich am Sonntag soll der Hubschrauber Ingenuity seinen Jungfernflug auf dem Mars absolvieren.
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Man könnte sich fast einbilden, so etwas wie Vorfreude in der Linse des Nasa-Rover Perseverance blitzen zu sehen, während er sich uns Erdlingen auf einem neuen Mars-Selfie präsentiert. Knapp vier Meter hinter ihm steht schließlich der kleine Hubschrauber Ingenuity und bereitet sich auf seinen Jungfernflug vor, der frühestens am Sonntag stattfinden soll.

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Sollte das Manöver glücken, wäre dies als erster kontrollierter, motorisch angetriebener Flug auf einem fremden Planeten ein historisches Ereignis. Die ersten anspruchsvollen Aufgaben hat das Duo schon erfolgreich gemeistert: Am vergangenen Wochenende hatte Perseverance den Hubschrauber auf einer von Hindernissen weitgehend freien, zehn mal zehn Meter großen Fläche abgeseilt und seine Batterien aufgeladen. Seitdem hat Ingenuity auch schon die ersten Nächte allein unbeschadet überstanden – was bei Temperaturen bis minus 90 Grad Celsius nicht selbstverständlich ist. Nun wird das Fluggerät weiterhin ausgiebig getestet, zuletzt wurden erstmalig die Rotorblätter probeweise bewegt.

Für den ersten Flug, dessen genaue Terminierung von den herrschenden Wind- und Umgebungsbedingungen abhängt, ist ein dreißigsekündiges Abheben bis in eine Höhe von drei Metern geplant. Weitere Flüge sollen folgen, die Batterien erlauben jeweils eine Flugdauer von bis zu eineinhalb Minuten, in denen eine Höhe von bis zu fünf Metern und Distanzen von bis zu 300 Metern erreicht werden können. Die Herausforderung, auf dem Mars zu fliegen, ist groß. Die Atmosphäre des roten Planeten hat eine Dichte, die nur knapp einem Prozent der irdischen entspricht. Sich darin über dem Boden zu halten ist trotz der geringeren Schwerkraft, etwa ein Drittel der irdischen, nicht einfach. Ingenuity ist daher mit einem Gewicht von knapp zwei Kilogramm sehr leicht und besitzt große, 1,2 Meter lange Rotorblätter, die sich rund fünfmal so schnell drehen werden, wie es bei irdischen Hubschraubern üblich ist.

Gesteuert wird das Fluggerät angesichts der langen Signallaufzeit zwischen Erde und Mars autonom per ständigem Abgleich zwischen gespeicherten Orientierungsmarken und aktuellen Sensorinformationen. Die auf dem Flug gesammelten Daten und Bilder werden nach dem Flug sorgfältig analysiert werden, allerdings nicht, um wissenschaftliche Informationen über den Mars zu gewinnen: Ingenuity soll zunächst vor allem das Potential dieser neuen Fortbewegungsart auf dem Mars demonstrieren, um folgenden Missionen dann auch für Forschungsfragen die dritte Dimension der Marsatmosphäre zu eröffnen. Damit würde eine weitere, komplementäre Perspektive zu derjenigen von Landesonden und Rovern direkt auf der Oberfläche sowie dem Blick von Sonden aus dem Marsorbit eröffnet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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