4500 Jahre alte Überreste

Spektakulärer Skelettfund in der Uckermark

Von Markus Wehner, Berlin
21.05.2020
, 15:24
Vom Alter her kann sie es möglicherweise fast mit „Ötzi“ aufnehmen: In der Uckermark wurde ein Frauenskelett entdeckt, das 4500 Jahre alt sein soll.

Einen Namen hat die alte Dame noch nicht – anders als ihr „Kollege“ Ötzi, der 1991 in Südtirol entdeckt wurde. Vielleicht könnte sie „Ucka“ getauft werden. Denn gefunden wurde sie jetzt in der brandenburgischen Uckermark. Vom Alter her kann sie es möglicherweise mit der Alpen-Mumie fast aufnehmen. Die Überreste der Frau sollen 4500 Jahre alt sein. Die Bestattung könnte am Ende der Jungsteinzeit zwischen 2200 und 2500 vor Christus stattgefunden haben – Ötzis Alter wird mit 5300 Jahren angegeben.

Gefunden wurde das Skelett bei Ausgrabungen für eine Windkraftanlage in Bietikow nahe Prenzlau. Die Archäologen Philipp Roskoschinski und Christoph Rzegotta, die es ausgruben, sind begeistert. Das Skelett gilt als seltener und aufregender Fund von „hoher wissenschaftlicher Bedeutung“. Die Frau, deren Lebensalter noch unklar ist, wurde nicht auf einem Friedhof beigesetzt, sondern wahrscheinlich in einer Siedlung. Bestattet wurde sie in der Hockerstellung: Beine und Arme seien angezogen, der Kopf weise nach Osten, der Blick nach Norden, so die Archäologen. Die Hockerbestattung gilt als eine der ältesten Formen der Grablegung von Verstorbenen, die vor allem bei Funden aus der Jungsteinzeit oft anzutreffen ist.

Allerdings wurden keine Grabbeigaben gefunden, mit denen der Zeitraum der Bestattung schon jetzt genauer eingeschätzt werden könnte. Mit Proben sollen nun die genetische Herkunft und das Alter der Frau in einem Berliner Labor bestimmt werden. Auch kann man so genauer festlegen, zu welcher Zeit die Grablegung stattgefunden hat.

Zudem hofft man darauf, die Todesursache feststellen zu können. Auch die Zähne sollen mit Hilfe einer Strontiumisotopenanalyse untersucht werden. Die Untersuchungen werden wohl drei bis vier Monate in Anspruch nehmen. Ob das Skelett dann auch der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, hängt nach Angaben eines Sprechers des Landesamts für Denkmalpflege auch davon ab, wie gut es erhalten ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wehner, Markus
Markus Wehner
Politischer Korrespondent in Berlin.
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