FAZ plus ArtikelWeinlese im Ahrtal

Flut, Frost und Hagel

Von Julian Staib, Ahrtal
14.10.2021
, 21:15
              Weinernte auf einem Berg des Weinguts Kriechel:  Tief unten schlängelt sich die Ahr durch das Tal.
Winzer im Ahrtal haben bei der Flut Schäden von bis zu 450 Millionen Euro erlitten. Jetzt kämpfen sie um den Jahrgang 2021 – und der soll trotz kleinerer Ernte ein guter werden. Ein Besuch.
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Was er in der Flutnacht und danach erlebt habe, das reiche für ein Leben, sagt Michael Kriechel. Der große Mann mit langem Bart und Baseballkappe steht an diesem regnerischen Morgen hoch oben über der Ahr. Es sind die letzten Tage der Weinlese. Dass überhaupt Wein gelesen wird, ist schon ein großer Erfolg. Tief unten schlängelt sich die Ahr durch das Tal. Daneben ist noch die braune Spur der Wassermassen sichtbar, die hier Mitte Juli alles mit sich rissen: Menschen, Häuser, Gleise, Straßen – und Weinreben.

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Die Straße im Tal ist wieder befahrbar, aber dort unten, wo nun ein Bagger arbeitet, befanden sich einst Weinreben der Familie Kriechel. 10 bis 15 Prozent ihrer Rebfläche hätten sie in der Flutnacht verloren, sagt Kriechel. Auch privat ist er, so wie 80 Prozent der Angestellten der Winzerfamilie, von der Flut betroffen. Sein Haus befindet sich unweit der Ahr, in der Flutnacht habe er die Schreie der Nachbarn gehört, sagt Kriechel. Seit der Flut lebe er mit seiner Familie im obersten Stockwerk in den beiden Kinderzimmern. „Wir sind aber, trotz all der Schäden, glücklich davongekommen. Wir vermissen keine Familienangehörigen.“

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Autorenporträt / Staib, Julian
Julian Staib
Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
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