Verleumdungsprozess

Hat Amber Heard ihren Nasenbeinbruch erfunden?

Von Christiane Heil, Los Angeles
17.05.2022
, 16:18
Im Zeugenstand: Amber Heard am Montag vor Gericht in Virginia
Die Anwältin von Johnny Depp sieht ihren Mandanten als Opfer – und nicht seine frühere Ehefrau Amber Heard, die ihn der häuslichen Gewalt beschuldigt. Nach der Prozesspause geht der Einblick in die Niederungen einer Hollywood-Ehe weiter.
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Schon vor dem Kreuzverhör fuhren Amber Heards PR-­Berater groß auf. Statt die nacheheliche Schlammschlacht mit Johnny Depp auf das „Wer hat wen geschlagen?“ zu beschränken, versuchten es die Krisenmanager der kalifornischen Agentur Shane Communications am Montag mit nichts Geringerem als der amerikanischen Verfassung. „Wir haben den Verdacht, dass Johnny Depps Anwälte von dem ablenken wollen, um das es bei diesem Prozess eigentlich geht: Hat Amber oder jede andere Frau das Recht auf Redefreiheit, das im ersten Zusatzartikel der Verfassung verankert ist?“

Damit spielten sie auf Heards Meinungsartikel in der „Washington Post“ an, in dem sie sich Ende 2018 als Opfer häuslicher Gewalt beschrieben hatte. Obwohl die Schauspielerin Depps Namen nicht nannte, fühlte sich der Golden-Globe-Preis­träger verunglimpft – und reichte die Verleumdungsklage ein, über die nach Heards Gegenklage jetzt vor einem Gericht in Virginia verhandelt wird. Im Prozess soll darüber entschieden werden, ob Heard ihren Ex-Mann als gewalttätig darstellen durfte.

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„Ist es nicht vielmehr so, dass Depp ihr Opfer ist?“

In der Beweisführung wurden mutmaßliche Handgreiflichkeiten nach Drogen- oder Alkoholexzessen, abgetrennte Fingerkuppen und die Vergewaltigung mit einem Flaschenhals angeführt. Nach einer Woche Prozesspause setzte sich der Einblick in die Niederungen einer Hollywood-Ehe am Montag fort.

Depps Anwälte warfen Heard vor, in das Ehebett gekotet zu haben und einen Nasenbeinbruch, den der Achtundfünfzigjährige ihr Ende 2015 beigebracht haben soll, erfunden zu haben. Wie der Mitschnitt einer Talkshow zeigte, den die Geschworenen im Gerichtssaal zu sehen bekamen, war Heard damals einen Tag später ohne erkennbare Verletzungen aufgetreten. Aus dem Zeugenstand ließ die 36 Jahre alte Heard die Jury wissen, blaue Flecken, aufgeplatzte Lippen und den Nasenbeinbruch unter Make-up verdeckt zu haben.

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Johnny Depps Anwältin Camille Vasquez wies die Geschworenen darauf hin, dass Heards mutmaßliche Verletzungen nicht durch ärztliche Atteste belegt wurden. Vielmehr habe nicht Depp Heard missbraucht, sondern Heard Depp. „Ist es nicht vielmehr so“, fragte Vasquez, „dass Depp ihr Opfer ist?“

Auch bei der Abfindung in Höhe von sieben Millionen Dollar, die Depp der Schauspielerin nach der Scheidung 2016 zahlte, geriet Heard ins Schlingern. In der Vergangenheit hatte sie angegeben, der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union und dem Kinderkrankenhaus in Los Angeles die Summe gespendet zu haben. Wie sich jetzt im Kreuzverhör herausstellte, hatte Heard aber nur einen sechsstelligen Betrag an die Organisationen weitergegeben. Der Technologiemilliardär Elon Musk, nach der Trennung von Depp ihr Liebhaber, gab noch 500.000 Dollar dazu. Behauptete Spenden, fehlende Atteste, Alkoholgeständnisse? In den kommenden Prozesswochen dürften Heards Krisenmanager noch viel zu tun haben.

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Quelle: F.A.Z.
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