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Sensationsfund in Ägypten

Sakkara schaut Dich an

Von Peter-Philipp Schmitt
Aktualisiert am 16.07.2018
 - 21:25
Entdeckt: Sakkara-Maske der zweiten Priesters der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-eszur Bildergalerie
Ägyptologen aus Tübingen haben bei Ausgrabungen eine vergoldete Mumienmaske entdeckt. Der geöffnete Grabkomplex könnte eines der größten Rätsel der Alten Ägypter lösen.

Vor 80 Jahren entdeckte der Ägyptologe Sami Gabra zufällig bei Räumungsarbeiten ein drei Meter tief in den Boden eingelassenes menschliches Grab. Damit hatte der Forscher, der zeitweilig Kurator des Ägyptischen Museums von Kairo war, nicht rechnen können: Denn es befand sich in einer Tiernekropole in Mittelägypten. Das Grab in Tuna el-Gebel, einem Dorf etwa 300 Kilometer südlich von Kairo entfernt, war fast unversehrt und damit ein Glückstreffer für den Ägyptologen. In einem Holzsarg lag denn auch eine Mumie, bei der es sich um einen Hohepriester mit Namen Anch-hor handelt. Das Gesicht des einbalsamierten Würdenträgers schmückte eine Maske aus vergoldetem Silber. Es war erst das zweite Mal, dass in einem Privatgrab eine solche Maske gefunden wurde.

Insofern kommt dem Fund, den Wissenschaftler der Universität Tübingen nun vorgestellt haben, eine besondere Bedeutung zu: Sie entdeckten in Sakkara, das nur wenige Kilometer südlich der ägyptischen Hauptstadt liegt, ebenfalls eine Maske aus Silber, die teilweise vergoldet und in einem wesentlich besseren Zustand ist als die Maske des Anch-Hor.

Die Augen des 18 mal 23 Zentimeter großen Artefakts wurden als Einlegearbeit mit einem schwarzen Edelstein, möglicherweise Onyx, sowie Calcit und Obsidian ausgeführt. „Der Fund dieser Maske darf als Sensation gelten“, sagt der Leiter des deutsch-ägyptischen Grabungsteams, Ramadan Badry Hussein. Nur sehr wenige Masken aus Edelmetall haben sich bis heute erhalten. Die Mehrzahl der Gräber altägyptischer Würdenträger wurden schon in der Antike geplündert, das gefundene Gold und Silber vermutlich meist eingeschmolzen.

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Sensationsfund
Forscher entdecken goldene Totenmaske

Maske aus der saitisch-persischen Zeit

Selbst in ägyptischen Pharaonengräbern hat man aus diesem Grund nur sehr wenige Mumienmasken aus Edelmetall finden können. Am bekanntesten ist die gut zwölf Kilogramm schwere Totenmaske des Pharaos Tutanchamun aus der 18.Dynastie. Sie ist mehr als 3300 Jahre alt und damit wesentlich älter als der aktuelle Fund. Die vergoldete Mumienmaske aus Sakkara stammt aus saitisch-persischer Zeit, ist also 2600 Jahre alt. In der 26. Dynastie herrschten ägyptische Pharaonen in der Hauptstadt Sais, kurz danach kam es zur ersten Perserherrschaft am Nil.

Wie der Leiter des Projekts berichtet, befand sich die wertvolle Maske auf dem Gesicht einer Mumie, die in einem stark beschädigten Holzsarg entdeckt wurde. Die erhalten gebliebene Verzierung des Sargs lasse darauf schließen, dass es sich bei dem Toten um einen Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es handelte, der zur Zeit der 26. Dynastie lebte – zwischen 664 und 529 vor Christus. Da im Grab Namen der damals regierenden Pharaonen fehlen, sind keine genaueren Zeitangaben möglich.

Seit 2016 graben die Tübinger Ägyptologen in Sakkara, einer der bedeutenden altägyptischen Nekropolen. Schon von der ersten Dynastie an, seit 5000 Jahren also, war Sakkara Begräbnisstätte für die Bewohner der damaligen Hauptstadt Memphis in Unterägypten. Dort steht auch die erste Pyramide Ägyptens, die Stufenpyramide des Pharaos Djoser aus der dritten Dynastie des Alten Reichs, entstanden um das Jahr 2650 vor Christus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten und besonders unter dem ehemaligen Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, gab es immer wieder spektakuläre Grabfunde aus unterschiedlichen Epochen, darunter eine Grabkammer der sechsten Dynastie (2318 bis 2168 vor Christus) mit 30 Mumien, die vermutlich aus der 26. Dynastie stammen.

Ein weiterer Sensationsfund?

Der Grabkomplex, der von Ramadan Badry Husseins deutsch-ägyptischen Team untersucht wird, besteht aus mehreren Schachtgräbern, die teils 30 Meter tief sind. In den Seitenwänden der Schächte befinden sich gewölbte Sargkammern, allerdings oft ohne Särge. Doch es konnten auch eine ganze Reihe von unberührten Grabkammern entdeckt und geöffnet werden. Außerdem gibt es Wandmalereien, die nach und nach restauriert, übersetzt und interpretiert werden sollen.

Neben mehreren Mumien und steinernen Sarkophagen mit zum Teil 70 Zentimeter dicken und noch verschlossenen Deckeln traten viele kleine Objekte zutage, unter anderem ganze Sätze von leuchtend blauen Fayence-Statuetten – sogenannten Uschebtis. Diese Figuren sollen die Verstorbenen verkörpern und für sie in der Totenwelt bestimmte Arbeiten verrichten. Auch Kanopen aus Alabaster entdeckten die Ausgräber. In diesen Gefäßen wurden die Organe der einbalsamierten Toten aufbewahrt. Da sich die Organe und das Gehirn nach dem Tod eines Menschen als erstes zersetzen, wurden sie gewöhnlich gleich zu Beginn der Mumifizierung entfernt.

Wie genau die alten Ägypter ihre Toten mumifizierten, darüber ist bis heute nur wenig bekannt. Insofern könnte ein weiterer Fund der Tübinger Ägyptologen sich zu einer Sensation entwickeln. Über einem der Haupt-Schächte fanden die Wissenschaftler unter anderem die Reste eines rechteckigen Gebäudes aus Lehmziegeln und Kalksteinblöcken, das wohl als Werkstatt zum Einbalsamieren der Verstorbenen diente. Innerhalb des Gebäudes standen zwei große Becken. In einem könnte, so die Vermutung der Forscher, Natron verarbeitet worden sein, mit dem den Körpern Flüssigkeit entzogen wurde – dieser Prozess nahm bis zu 40 der 70 Tage dauernden Mumifikation in Anspruch. Andererseits dienten die Becken wohl auch zur Vorbereitung der Leinenbinden, mit denen die mumifizierten Körper umwickelt wurden. Sie wurden gewöhnlich in Harz getränkt, um den Körper zusätzlich vor Verwesung zu schützen.

Kaum Informationen über die Mumifizierung

Auf den Prozess der Balsamierung deuten nach Angaben des Leiters der Abteilung für Ägyptologie an der Universität Tübingen, Christian Leitz, auch Gefäße hin, die mit den Namen von Ölen und Substanzen beschriftet sind. Die Beschriftung allein sei schon ungewöhnlich, so Leitz. „Doch in den Gefäßen befinden sich auch noch Reste des einstigen Inhalts, den wir nun analysieren werden in der Hoffnung, dass wir mehr über die Stoffe erfahren, die für die Einbalsamierung verwendet wurden.“ Bislang ist über die Zusammensetzung der Salböle wenig bekannt, wie es überhaupt über den Vorgang der Mumifizierung fast keine genauen Angaben gibt.

Insofern könnten die beschrifteten Gefäße und vor allem ihr Inhalt Aufschluss darüber geben, was in der 26. Dynastie genau für die Mumifikation zusammengemischt wurde und woher Bestandteile wie Harz und Erdpech stammten. Zur damaligen Zeit mussten viele dieser Zutaten aus den Nachbarländern Ägyptens eingeführt werden.

Die Untersuchungen der Tübinger Forscher sind also noch lange nicht abgeschlossen. Die diesjährige Grabungssaison ist eigentlich schon seit Mai zu Ende. Gegraben wird im Winter, im Sommer ist es viel zu heiß. Was die Arbeit der Ägyptologen nicht eben vereinfacht, denn die Gräber, wenn sie denn noch nicht erforscht sind, werden von Saison zu Saison wieder zugeschüttet – aus Sicherheitsgründen. Auch heute noch sind Grabräuber am Werk. In einigen Monaten werden die Gräber wieder geöffnet. Was die Wissenschaftler noch finden, etwa in den Sarkophagen, lässt sich nicht sagen. Doch schon jetzt ist die Fundstätte in Sakkara für Ramadan Badry Hussein und sein Team „eine Goldmine an Informationen“.

Der Grabungsleiter aus Tübingen

Der Ägypter Ramadan Badry Hussein leitet das Ausgrabungsprojekt der Tübinger Eberhard-Karls-Universität in der Nekropole von Sakkara. Unterstützt wird das Projekt seit 2016 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Hussein ist Ägyptologe. Nach seinem Studium Anfang der neunziger Jahre in Kairo arbeitete er zunächst als Antiken-Inspektor in Gizeh und Sakkara. Danach folgte eine Promotion an der Brown-Universität in Providence (Rhode Island) sowie weitere Ausgrabungen in der Nekropole von Gizeh. Über ein Forschungsstipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung kam er 2013 an die Universität in Tübingen. Seither ist er Mitarbeiter der dortigen Abteilung für Ägyptologie und zugleich seit 2009 des Staatsministeriums für Altertümer-Angelegenheiten in Kairo. (pps.)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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