Botschaft nach Kapitol-Sturm

Arnold Schwarzenegger wird persönlich

10.01.2021
, 18:50
Arnold Schwarzenegger hat in einer persönlichen Botschaft Parallelen zwischen der Reichspogromnacht und dem Sturm auf das Kapitol gezogen – und berichtet, dass sein Vater nach dem Krieg getrunken und ihn verprügelt habe.

Arnold Schwarzenegger hat in einer persönlichen Botschaft Parallelen zwischen der Reichspogromnacht und dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar gezogen. „Die Reichspogromnacht war ein Amoklauf gegen die Juden, ausgeführt 1938 von den Nazis, dem Äquivalent der Proud Boys“, sagte der frühere Schauspieler und ehemalige Gouverneur Kaliforniens in einem am Sonntag auf Twitter veröffentlichten Video. Der vergangene Mittwoch sei der „Day of Broken Glass“ in Amerika gewesen. Der Mob sei auf den Prinzipien herumgetrampelt, auf denen Amerika aufgebaut worden sei. Er rief dazu auf, die Spaltung des Landes zu überwinden: „Wir müssen uns gemeinsam von dem Drama
heilen, das gerade passiert ist. Wir müssen als Amerikaner heilen.“

Schwarzenegger erzählte dann, dass er in den Ruinen eines Landes aufgewachsen sei, das den Verlust seiner Demokratie erlitten habe. Sein Vater habe getrunken und ihn verprügelt, als er ein Kind war. Dasselbe sei bei den Nachbarn passiert. „Ich bin zwischen Männern aufgewachsen, die versucht haben, ihre Schuld in Alkohol zu ertränken.“ Sein Vater sei wie viele andere traumatisiert gewesen von dem, was er im Zweiten Weltkrieg gesehen und getan habe. Lügen und Intoleranz hätten am Anfang des Nationalsozialismus gestanden. Er persönlich sorge sich zwar nicht, dass ähnliches in Amerika geschehen könnte. Trump, der schlechteste amerikanische Präsident aller Zeiten, werde bald vergessen sein.

Das gelte aber nicht für diejenigen, die seine Lügen und seinen Verrat ermöglicht hätten. Der 73 Jahre alte Schwarzenegger kritisierte die republikanische Partei, in der er selbst Mitglied ist. Deren Politiker hätten fälschlicherweise zum Präsidenten statt zu ihrem Land gestanden. Abschließend rief er das Land auf, sich hinter dem künftigen Präsidenten Joe Biden zu versammeln. Amerika werde diese dunklen Tage überwinden und stärker zurückkommen, „weil wir nun verstehen, was wir zu verlieren haben“.

Schwarzenegger zeigte sich bereits zuvor optimistisch. In der „Bild am Sonntag“ hatte er gesagt, das Durchhaltevermögen sei eines der Dinge, die er an Amerika liebe. „Immer wenn du glaubst, das war’s jetzt, stehen die Amerikaner wieder auf. Wie Phoenix aus der Asche.“ Trumps Verhalten kann sich Schwarzenegger nach eigener Darstellung nicht erklären: „Ich habe Zeit mit Donald verbracht. Niemals habe ich ihn so, wie er sich jetzt gibt, erlebt.“

Quelle: F.A.Z./dpa
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