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Bernard Madoffs Ehefrau

„Wir wollten uns umbringen“

 - 18:37

Milliardenbetrüger Bernard Madoff scheint Glück gehabt zu haben, dass er noch lebt. Wie seine Frau Ruth jetzt enthüllte, wollte sich das Paar kurz nach dem Auffliegen des größten Anlageschwindels aller Zeiten umbringen. „Ich weiß nicht, wessen Idee es war, aber wir haben entschieden, uns selbst zu töten, weil es so entsetzlich war, was passierte“, sagte sie dem US-Fernsehsender CBS. „Wir bekamen fürchterliche Telefonanrufe, Hassbriefe, einfach unvorstellbar. Ich sagte, ich kann so nicht mehr weitermachen.“

An Heiligabend 2008 soll es dann passiert sein. „Wir haben Pillen geschluckt“, erzählte Ruth Madoff in dem auszugsweise am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichen Interview. „Ich nahm, was wir hatten. Er nahm mehr.“ Vermutlich hätten sie „Ambien“-Schlaftabletten geschluckt. „Ich kann mich nicht erinnern.“ Am nächsten Morgen seien beide aufgewacht. Auf die Frage des Interviewers, ob sie Nachrichten hinterlassen hätten, antwortete Ruth Madoff: „Nein, es war sehr spontan und ich bin froh, dass wir aufgewacht sind.“

Nicht einmal der Sohn wusste Bescheid

Nicht einmal Sohn Andrew Madoff wusste nach eigenem Bekunden bis vor kurzem von dem Selbstmord-Versuch seiner Eltern. Er habe zwar damals einen Umschlag mit Schmuck seiner Mutter erhalten, doch erst Jahre später habe er gefragt, warum sie ihm die persönlichen Stücke geschickt habe. „Sie sagte mir, sie und mein Vater hätten geplant, sich umzubringen“, erzählte Andrew Madoff dem CBS-Interviewer und konnte dabei nur mit Mühe die Fassung bewahren. Die Geschenke hatten damals für Ärger gesorgt, weil die Ermittler sie als Versuch interpretierten, Wertsachen in Sicherheit zu bringen.

Bernard Madoff hatte über Jahrzehnte hinweg ein Schneeballsystem an der Wall Street betrieben. Er köderte Anleger mit Traumgewinnen, die er in Wirklichkeit aus dem frischen Geld neuer Investoren bezahlte. Ende 2008, als die Finanzkrise hochkochte und der Geldstrom versiegte, flog der Betrug auf. Die Anleger verloren rund 20 Milliarden Dollar. Madoff wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt und sitzt im Bundesgefängnis von Butner in North Carolina ein. Er beteuerte stets, er habe alleine und ohne Wissen seiner Familie oder Mitarbeiter gehandelt.

Der „New York Times“ sagte Ruth Madoff, das Paar habe nie über einen weiteren Selbstmord-Versuch gesprochen. Bernard Madoff erklärte in einer E-Mail an die Zeitung, er habe nach seiner Verhaftung Suizid-Gedanken gehabt. Zu dem vorherigen Selbstmord-Versuch mit seiner Frau äußerte er sich nicht. In einem Interview mit dem US-Sender ABC sagte Bernard Madoff, mit dem Ärger seiner Opfer könne er leben. Es sei für ihn aber kaum auszuhalten, dass die Familie auseinandergebrochen sei. „Sie hassen mich.“

Am 11. Dezember 2010, dem zweiten Jahrestag der Entdeckung des Schwindels, erhängte sich Mark Madoff, der zweite Sohn, in seinem New Yorker Appartement. Er hatte dem öffentlichen Druck nicht mehr standgehalten. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder. Die Witwe Stephanie Madoff Mack hatte erst jüngst gesagt, sie mache Bernard Madoff persönlich für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Sie würde ihm „ins Gesicht spucken“, wenn sie ihn jemals wiedersähe.

Opfer des Betrugs geraten in Vergessenheit

Nach dem Selbstmord ihres Sohnes hatte auch Ruth Madoff jeglichen Kontakt zu ihrem Mann abgebrochen. Die Söhne hatten schon zuvor kein Wort mehr mit ihm gesprochen - auch um sich selbst vor einer Strafverfolgung zu schützen. Sie hatten in der Firma ihres Vaters gearbeitet. Die Ermittler konnten ihnen jedoch niemals nachweisen, dass sie etwas von den krummen Geschäften wussten. Mark und Andrew waren zur Polizei gegangen und hatten den Schwindel auffliegen lassen - wie sie sagen, nachdem ihnen ihr Vater seine Taten gestanden hatte.

Etwas in Vergessenheit geraten sind über die Familiengeschichten die Opfer des Betrugs - darunter Leute, die ihre Ersparnisse oder ihre Altersabsicherung verloren haben. Ein später Trost dürfte sein, dass sie zumindest einen Teil ihres Geldes wiedersehen werden. Der Vertreter der Geschädigten, Irving Picard, hatte eine ganze Reihe von Madoff-Geschäftspartnern auf Schadenersatz verklagt, darunter Großbanken wie JP Morgan Chase. Der Vorwurf: Sie hätten den Betrug bemerken müssen, hätten aber wissentlich mitgespielt. Picard hat bereits mehrere Milliarden Dollar eingesammelt und mit der Auszahlung begonnen.

Quelle: DPA
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