Liebäugelei mit Satan

Bischof Xavier Novell Gomà verliebt sich in Erotikbuch-Autorin

Von Matthias Rüb, Rom
10.09.2021
, 08:27
Novell hatte dem Papst im August überraschend ein Rücktrittsgesuch „aus persönlichen Gründen“ unterbreitet.
Er hatte im August „aus persönlichen Gründen“ dem Papst sein Rücktrittsgesuch unterbreitet: Genauer gesagt hat sich Xavier Novell Gomà verliebt. Seine Herzensdame ist spanischen Medien zufolge Autorin satanisch-erotischer Bücher.
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Das Rätsel um den unvermittelten Rücktritt des spanischen Bischofs Xavier Novell Gomà im August scheint gelöst. Wie spanische Medien am Donnerstag berichteten, hat sich der 52 Jahre alte Bischof von Solsona in Katalonien in eine Frau verliebt, mit der er zusammenleben will. Novell, der mit 41 Jahren Diözesanbischof wurde, galt in der spanischen Kirche als Wunderkind der Evangelisierung – und zugleich als Sorgenkind, weil er im Gegensatz zur spanischen Bischofskonferenz die Unabhängigkeit Kataloniens unterstützte. Außerdem rief er mit seinen konservativen Ansichten zu Abtreibung, Homosexualität und Sterbehilfe den Widerspruch liberaler Katholiken und der linken Medien hervor.

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Bei Novells Herzdame handelt es sich laut dem Portal Religión Digital um die 38 Jahre alte Buchautorin und Psychologin Silvia Caballol. Ihre Werke sind nach Angaben spanischer Medien satanisch-erotischen Inhalts. Caballol ist geschieden und Mutter zweier Kinder. Ob der demissionierte Bischof und seine fast anderthalb Jahrzehnte jüngere Partnerin ihre wilde Beziehung in irgendeiner Form „regularisieren“ wollen, ist nicht bekannt. Religión Digital zitierte Novell nur mit dem Satz: „Ich habe mich verliebt und will die Sachen richtig machen.“ Offenbar verbinden den Kirchenmann und die Psychologin die Faszination für das Satanische: Novell ist mit mehreren theologischen Veröffentlichungen zum Exorzismus hervorgetreten.

Zurück in den früheren Beruf

Novell hatte dem Papst im August überraschend ein Rücktrittsgesuch „aus persönlichen Gründen“ unterbreitet. Franziskus nahm den Rücktritt Novells vom Amt des Bischofs von Solsona an und setzte den Bischof von Vic in Katalonien, Romà Casanova, zum apostolischen Administrator von Solsona ein. Unklar ist, ob Novell die Entlassung aus dem Klerikerstand anstrebt oder ob er seinerseits vom Papst in den Laienstand versetzt wird. Nach spanischen Medienberichten leben Novell, seine Partnerin und deren Kinder inzwischen gemeinsam in Manresa in der Nähe seines ehemaligen Bischofssitzes. Dort soll sich der Kirchenmann um eine Anstellung in seinem früheren Beruf als Agraringenieur bemühen.

Nach Kirchenrecht ist Novell weiterhin Bischof, er führt nur keine Diözese mehr an. In der katholischen Kirche Spaniens mehren sich deshalb die Stimmen, dass die Situation geregelt werden müsse. Novell genoss in seiner Diözese große Unterstützung. Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Diözesanbischof 2010 reduzierte er sein Gehalt um 25 Prozent und stellte kinderreichen Familien mit geringem Einkommen kirchliche Unterkünfte zur Verfügung. Er machte zudem mit der Forderung nach einem optionalen Zölibat und einer stärkeren Rolle für Frauen in der Kirche von sich reden. Andererseits kritisierte er Abtreibungen sowie die Homo-Ehe und sprach sich für „Konversionstherapien“ für Homosexuelle aus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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