„Manteros“ nähen Masken

In Barcelona helfen die Straßenhändler

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
Aktualisiert am 29.03.2020
 - 11:03
Sie nähen Masken und Kittel: „Top Manta“ nennt sich das Projekt der „Gewerkschaft der ambulanten Straßenverkäufer“.
Die Straßen der spanischen Großstädte sind leergefegt. Das macht die Lage der „Manteros“, der Straßenhändler schwierig. Doch sie haben eine neue Aufgabe gefunden: Masken nähen.

Die Straßen sind menschenleer. Wer in Barcelona und Madrid länger draußen bleibt, macht sich verdächtig. Er muss damit rechnen, dass ihn die Polizei verwarnt und sofort wieder nach Hause schickt. Noch viel schwieriger ist die Lage der „Manteros“ in den verwaisten Innenstädten: Die Straßenhändler können nirgendwo mehr ihre Decken ausbreiten, auf denen sie gefälschte Taschen oder Kleidung verkaufen. In Barcelona, wo viele sonst die Promenade am Hafen und entlang des Strands bevölkern, haben einige auf die neue Krise reagiert. Sie nähen jetzt Masken und Kittel für katalanische Krankenhäuser.

Im Raval-Viertel im Zentrum von Barcelona haben sie schon vor einiger Zeit eine eigene Marke gegründet und einen Laden eröffnet. „Top Manta“ heißt das Projekt der „Gewerkschaft der ambulanten Straßenverkäufer“, wie sich der Zusammenschluss der fliegenden Händler nennt. Das Logo ihres Modelabels erinnert an eine Decke und an ein Schiff – auf klapprigen Booten sind viele der Straßenhändler nach Europa gekommen. Die meisten von ihnen stammen aus Afrika.

„Auch der Coronahunger tötet“

Aber auch ihr Laden ist wegen der Ausgangssperre seit Tagen geschlossen; die Touristen haben fluchtartig die Stadt verlassen. Doch drinnen herrscht weiter Betrieb. Statt Mode für ihr eigenes Label herzustellen, entstehen auf den acht Nähmaschinen die ersten Tausend Gesichtsmasken. Die Manteros schlossen sich einer katalanischen Initiative an, die schon gut 2000 Freiwillige beschäftigt. Dabei kommt ihnen ihre Näherfahrung zugute, die sie seit der Gründung ihrer Marke gesammelt haben.

Ihre Räume mussten sie für die neue Produktion anpassen, um den von der Regierung festgelegten Abstand von eineinhalb Metern zwischen den Arbeitern einzuhalten. Das ist nicht so einfach, denn gleichzeitig stapeln sich in dem Geschäft immer mehr Lebensmittel. Nachbarn können ihre Spenden selbst dort vorbeibringen; sie werden auch zuhause abgeholt. Vorrang unter den Empfängern haben Bedürftige mit Kindern.

Mehr als 150 Familien wurden nach eigenen Angaben schon mit Milch und Speiseöl versorgt. Noch ist kein Fall eines Manteros bekannt geworden, der am Coronavirus erkrankt sei. „Auch der Coronahunger tötet“, mahnt ein senegalesisches Mitglied der Mantero-Gewerkschaft.

Quelle: FAZ.NEt
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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