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Herzblatt-Geschichten

Schatz, ich geh mal staubsaugen

Von Jörg Thomann
 - 12:31
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Weil jetzt ja immer wieder rhetorisch gefragt wird: Natürlich dürfen Männer Frauen noch Komplimente machen. Es wäre halt nur hilfreich, wenn die auch als solche zu erkennen wären. Der „Bild“-Briefe-Onkel Franz Josef Wagner zum Beispiel hat sich die Nacht der Oscar-Verleihung angeschaut, um zu prüfen, was sich nach #MeToo „geändert hat: Haben die Frauen noch halb geöffnete Lippen? Ist ihr Dekolleté ausgeschnitten?“

Und während wir noch überlegen, ob die weit wichtigere Frage nicht gewesen wäre, inwieweit sich die Männer geändert haben könnten, überrascht Wagner mit einem, nun ja, Kompliment für die Oscar-Preisträgerin Frances McDormand: „Sie ist das Gegenteil von Glamour, Brüsten, blond.“ Das wird McDormand sicher gern hören, dass sie das Gegenteil von Brüsten ist. Dabei hat sie durchaus welche, und blond ist sie übrigens auch. Aber nun zu etwas ganz anderem: Wissen Sie eigentlich, Wagner, wer das Gegenteil von Charme, Waschbrettbauch, gut frisiert ist? Denken Sie mal ein Weilchen nach.

Einen ganz eigenen Charme hat auch Joachim Llambi, Chefjuror der RTL-Show „Let’s Dance“, der die Teilnehmer der soeben gestarteten neuen Staffel für „Bild“ seziert und zum allseits gefürchteten Werkzeug des Namenswitzes greift. Über Charlotte Würdig heißt es: „Sie wäre eine würdig(e) Finalistin.“ Und über Jimi Blue Ochsenknecht: „Der Name ist Programm. Er ist tänzerisch der Ochse, die Tanzpartnerin der Knecht.“ Hören Sie mal, Llambi: Es ist schon klar, dass Ihre via „Bild“ und RTL gefällten Urteile über die llambitionierten Llambo- und Llambada-Tänzer sich nicht gerade durch Llambiguität auszeichnen, sondern dass Sie ordentlich Llambazamba machen müssen. Auf Dauer nur wird das ziemlich llambweilig.

Eher rustikal geht auch Sonya Kraus zur Sache, die auf dem Cover ihres Buches „Baustelle Blödmann: Und heute bringe ich ihn um“ mit einem funkensprühenden Winkelschleifer posiert. Im Buch, erläutert Kraus der „Frau im Spiegel“, gehe es auch um die Makel ihres eigenen Freundes, der unter anderem „überhaupt nicht Autofahren“ könne: „Selbst den Blinker empfindet er als überflüssig. Ich bin schon mal während der Fahrt aus dem Auto gestiegen.“ Nur weil der Kerl den Blinker nicht bedient, steigt sie aus dem fahrenden Auto? Wer, bitte schön, ist hier eigentlich blöd? Ihre beiden Söhne übrigens versucht Kraus „geschlechtsneutral zu erziehen“ und erklärt: „Sexy ist, wenn ein Mann sagt: ,Schatz, ich staubsauge jetzt mal eine Runde.‘“ Aber dabei bloß nicht den Blinker vergessen!

Einblicke in seinen häuslichen Alltag verschafft uns via „Intouch“ auch der Instagram-Star Riccardo Simonetti. „Mir war es wichtig, überall kleine Kulissen für Selfies und Fotos zu haben, deshalb ist zum Beispiel die Küche komplett pink geraten.“ Sein Kühlschrank freilich sei „in der Regel leer“, so Simonetti: „Ich habe noch nie gekocht, aber mein Müsli schmeckt richtig gut!“ Ob er die Packung sogar ganz allein öffnet? Und dann lässt er noch wissen: „In meiner Leseecke lese ich hauptsächlich Zeitschriften, in denen ich selbst drin bin.“

Womöglich würde er eines Tages auch ein Buch lesen, es müsste nur jemand eines über ihn schreiben. Auf die „Intouch“-Frage, ob seine nächste Wohnung wohl in Hollywood sei, entgegnet Simonetti: „Das Interesse ist auf jeden Fall da!“ Bedeutet: das Interesse von Simonetti, leider nicht das von Hollywood.

Dort eine feste Größe ist Heidi Klum, die laut „In“ ob ihres Liebeskummers immer dünner wird – das jedenfalls meinen „Insider aus ihrem direkten Umfeld“, was natürlich viel besser klingt als Insider (oder gar Outsider) aus indirekten Umfeldern. Ein solcher Insider hat demnach gesagt: „Heidi ist kein Mensch, der gut allein sein kann. Während andere Kummer in sich hineinfressen, bekommt sie keinen Bissen herunter.“ Also, auf einen Bissen Kummer könnten auch wir verzichten, das Zeug schmeckt nicht besonders.

Auf einen ganz tollen Kniff ist derweil „Intouch“ gekommen, das bei seinen total insiderischen Storys über Hollywood-Stars wie die Ex-Ehepartner Jennifer Garner und Ben Affleck die Fotos jetzt mit Gedankenblasen versieht.

„Dein dämliches Getue und deine blöde neue Freundin gehen mir so auf die Nerven. Ich hoffe, sie zockt dich richtig ab!“, denkt da etwa Garner, und Affleck denkt zurück: „Noch ein Wort, und ich schmeiß mich freiwillig vor das nächste Auto, damit ich dich nicht noch länger ertragen muss.“ Sollen beide erst mal beweisen, dass sie das nicht gedacht haben!

Eine glückliche Ehe hingegen führt Jürgen Drews, der auf die Frage des „Goldenen Blatts“ nach seinem größten Wunsch antwortet: „Ich möchte mit Ramona alt werden.“ Wie schön, dass dieser Wunsch längst wahr geworden ist, jedenfalls was ihn selbst betrifft, er ist ja schon 72.

„Das goldene Blatt“ nennt Drews übrigens einen „Vollblutmusiker“, was uns ins Grübeln bringt, warum man eigentlich nie Begriffe hört wie „Vollblut-Facility-Manager“. Oder „Vollblut-Chirurg“.

Vollblütige Liebhaber jedenfalls sollen ihrer Herzdame auch weiterhin Komplimente machen. Sollen ihr Rosen schenken, mit ihr bei Kerzenlicht dinieren, ihr den Nacken massieren und sie zum Schlafgemach geleiten. Und ihr dann, denn das macht Männer wirklich sexy, mitteilen: „Schatz, ich staubsauge jetzt mal eine Runde.“

Quelle: F.A.S.
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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