Goodbye Deutschland

Die meisten deutschen Auswanderer zieht es in die Schweiz

Von David Lindenfeld
17.05.2022
, 17:41
Die Schweiz ist ein beliebtes Ziel für deutsche Auswanderer.
Seit 1991 beobachten Forscher eine steigende Zahl von Auswanderern. Viele deutsche Staatsbürger zieht es in die Schweiz – aus beruflichen oder finanziellen Gründen.
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Das Land der Berge bleibt das Land der Deutschen: Die Schweiz ist weiterhin das beliebteste Ziel für Deutsche, die auswandern wollen. Nirgendwo anders in Europa hatten laut EU-Statistikbehörde Eurostat so viele deutsche Bürger Anfang 2021 ihren Wohnsitz. Die Schweiz liegt damit im europäischen Vergleich vor Österreich und Spanien, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Für die Beliebtheit des Landes gebe es mehrere Gründe, sagt Nils Witte, der am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zu Motiven für Emigration und Remigration forscht. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er in einer Studie deutsche Staatsbürger befragt, die im Zeitraum von 2017 bis 2018 aus der Bundesrepublik ausgewandert sind – ein Thema, das nach seinen Worten mit Blick auf sozialstrukturelle und migrationsmotivische Fragestellungen bisher kaum untersucht worden ist.

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Das Grundmotiv für Emigration sei stets eine Verbesserung des Lebensstandards. Früher waren häufig Kriege, Hungersnöte oder Vertreibungen der Aus­löser. Heute sind es unter anderem berufliche Chancen: „Die Schweiz ist beliebt, weil es dort Karriereoptionen gibt, die zu einer Verbesserung des Lebensstandards führen können. Außerdem gibt es eine räumliche Nähe zu Deutschland und geringe sprachliche Hürden“, sagt Witte. Unter den Auswanderern seien vor allem Akademiker oder Personen mit höheren Schulabschlüssen.

Normaler Bestandteil unseres Lebens

Die Studie des BiB ergab, dass „finanzielle Gründe ein Auswanderungsmotiv für 58 Prozent der deutschen Auswanderer in die Schweiz, aber nur für knapp 30 Prozent der deutschen Auswanderer in andere Staaten“ waren. Berufliche Gründe spielten bei 77 Prozent der Auswanderer in die Schweiz eine Rolle als Motiv, in andere Staaten nur bei 59 Prozent. Kaum prozentuale Unterschiede gab es bei denen, die ihre Auswanderungen unter anderem mit dem „persönlichen Lebensstil“ begründeten.

Die Auswandererzahlen steigen seit 1991. Waren es im Jahr nach der Wende noch knapp 600.000 Menschen, die Deutschland verlassen haben, erreichte die Zahl 2016 mit mehr als 1,3 Millionen ihren Höchststand. Die Zahlen der Wanderungsstatistik seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, sagt Witte. „Der Peak 2016 hänge auch mit einer Änderung der statistischen Erfassung zusammen, weil Wegzüge nach ‚unbekannt‘ als Wegzüge ins Ausland gewertet wurden.“ Nichtsdestotrotz beobachten er und seine Kollegen seit 1991 einen positiven Trend zur Auswanderung. „Wir sehen, dass es zunehmend normal wird, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen.“ Viele kehrten auch wieder zurück. „Ein gewisser negativer Saldo bleibt jedoch, da mehr ins Ausland gehen als zurückkommen.“

Laut Witte wandern oft die Deutschen aus, „die früher schon mal im Ausland gewesen sind, oder die einen Migrationshintergrund haben“, sagt Witte. Generell habe sich der Blick auf Migration verändert. Früher sei das oft ein singuläres Ereignis gewesen: „Eine Person ist an Bord eines Schiffes gegangen, in die USA gereist und hat dort bis zum Ende ihres Lebens gelebt“, sagt Witte: „Mittlerweile werden Auslandsaufenthalte aber immer mehr zum normalen Bestandteil unseres Lebens.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindenfeld, David
David Lindenfeld
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