Ridley-Scott-Film

Die Guccis schießen gegen den Gucci-Film

Von Christian Schubert, Rom
30.11.2021
, 17:09
Täterin als Opfer? Lady Gaga spielt in „House of Gucci“  Patrizia Reggiani
Die Angehörigen wollen rechtlich gegen die Darstellung ihrer Familie in dem Film „House of Gucci“ vorgehen. Die Familienmitglieder würden als „Rabauken“ porträtiert, kritisieren sie.
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Mode und Film – dieses Gemisch lässt Kinokassen klingeln. „Der Teufel trägt Prada“, „Coco Chanel“ oder „House of  Versace“ haben es vorgemacht. Das jüngste Werk dieses Genres, „House of Gucci“ von Ridley Scott, erfüllt jetzt zudem ein weiteres Kriterium für große Aufmerksamkeit: einen Konflikt mit real lebenden Personen. Die Erben des italienischen Modehauses haben eine Anzeige angedroht, weil sie die Beschreibung für falsch und verzerrt halten. „Die Familie Gucci behält sich das Recht vor, jede Initiative zu ergreifen, um ihren Namen und ihr Image sowie das ihrer Angehörigen zu schützen“, heißt es in einem Brief, aus dem die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitiert.

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Der Film, der am Donnerstag in die deutschen und am 16. Dezember in die italienischen Kinos kommt, erzählt die Geschichte des Firmenchefs Maurizio Gucci und seiner Frau Patrizia Reggiani, die ihn Jahre nach der Scheidung umbringen lässt. Lady Gaga spielt die Auftrag­geberin der Gewalttat. Und obwohl die Amerikanerin in einem Interview den Mord und den Auftrag dafür als „zutiefst falsch und verurteilenswert“ bezeichnete, äußerte sie Sympathie für die Italienerin, die aus kleinen Verhältnissen aufstieg. Sie habe „viel über den Mut von Frauen nachgedacht, die es wagen, die männliche Macht herauszufordern“.

„Beleidigung für das Erbe“

Solche Aussagen haben die Nachkommen von Aldo Gucci alarmiert, und sie finden ihre Befürchtungen nun bestätigt. Reggiani wurde im echten Leben zu 29 Jahren Haft verurteilt, von denen sie 18 absaß, und dennoch präsentiere der Film sie in einer Opferrolle, beklagen die Guccis, während sie „als Rabauken“ auftreten, „die ignorant und unsensibel gegenüber der Welt um sie herum sind“. Das sei „aus menschlicher Sicht äußerst schmerzhaft und eine Beleidigung für das Erbe, auf dem die Marke heute aufbaut“. Reggiani als Leidtragende zu beschreiben, die gegen eine Macho-Welt kämpfe, könne „nicht weiter von der Wahrheit entfernt“ sein.

Ihre juristische Drohung dürfte folgenlos bleiben. Der Film, der auf einem Buch beruht, gibt nur an, er habe sich von der wahren Geschichte anregen lassen. Die Gucci-Familie kann sich auch schwerlich als mustergültig ausgeben. Ihr Name steht wie kaum ein anderer für Familienkriege, durch die ein Imperium verloren ging. Nach Jahrzehnten mit Machtkämpfen, Missmanagement und verschwenderischem Lebensstil musste der später ermordete Maurizio Gucci das einst florierende Unternehmen in den neunziger Jahren verkaufen. Heute gehört es zum französischen Luxuswarenkonzern Kering. Die pikante Note: Die Schauspielerin Salma Hayek ist mit dem Kering-Vorstandsvorsitzenden François-Henri Pinault verheiratet. Sie spielt eine der Hauptrollen als eine Busenfreundin der Mordanstifterin. Der Kering-Konzern lehnte am Dienstag jeden Kommentar dazu ab.

Indes findet das Opus über die Zerwürfnisse der Reichen und Schönen im realen Leben seine Fortsetzung: Reggiani, die einst die Anstiftung zum Mord ihres Ex-Mannes gestanden hatte, kämpfte nach ihrer Entlassung nicht nur für eine jähr­liche Leibrente von einer Million Euro aus dem Gucci-Erbe, sondern auch für das Nutzungsrecht einer Wohnung in Sankt Moritz und einer Segeljacht. Ein italienisches Berufungsgericht gestand ihr im November 2020 die Leibrente sowie 26 Millionen Euro aus dem Nachlass zu. Zahlen sollen die Töchter aus ihrer Ehe mit Maurizio, Alessandra und Allegra. Doch nach italienischen Medienberichten sollen die beiden Schwestern ihrer Mutter, die ihren Vater ermorden ließ, bisher keinen Euro überwiesen haben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
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