FAZ plus ArtikelKeine Jugendhilfe mehr

18, wohnungslos, sucht

Von Julia Schaaf
Aktualisiert am 20.11.2020
 - 11:13
„Man kann sie doch nicht in die Obdachlosigkeit entlassen“: Blick in eine Wohngemeinschaft des Jugendwerks CJD in Berlin.zur Bildergalerie
Ausgerechnet junge Menschen aus schwierigen Verhältnissen müssen oft schon mit 18 erwachsen sein, weil die Jugendhilfe endet. Dann droht Obdachlosigkeit. Jetzt könnte sich dieser Irrsinn ändern.

Natürlich ist Deniz kein einfacher Typ. Ein Zocker, Ex-Kiffer, mehrfach zu Hause rausgeflogen. Und ohne Ende stur. Als die Betreuer während eines Praktikums seine Wohnung abschlossen, damit er nicht schon mittags wieder vorm Computer sitzt, campierte er stundenlang bei Eiseskälte im Hausflur. Als die Betreuer im Streit über einen neuen bequemen Computer-Stuhl die Sitzgelegenheiten aus seiner Wohnung entfernten, trat er gegen ihre Bürotür und pöbelte herum.

Sein Selbstbewusstsein ist groß, seine Anspruchshaltung riesig, seine Kritikfähigkeit bei null. Deniz (Name geändert) sagt über die Betreuer seiner Jugendwohneinrichtung, ihr Job bestehe lediglich darin, ihm Steine in den Weg zu legen, sie gingen ihm „auf den Sack“: „Man geht nur zu den Betreuern, wenn man sein Geld haben will. Wenn du emotional ein Problem hast, kannst du das vergessen.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schaaf, Julia
Julia Schaaf
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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