Dita von Teese

„Es geht um Spektakel und erotische Wirkung“

Von Christian Riethmüller
06.06.2022
, 15:08
Angeschnallt: Dita von Teese im Gürtelminikleid
Mehr als nur Striptease: Dita von Teese ist mit ihrer neuen Show „Glamonatrix“ auf Hallen-Tournee. Sie ist der Ansicht, Burlesque habe als erste Kunstform überhaupt dem Gedanken der Inklusion Raum gegeben.
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Frau von Teese, Sie sind im Bundesstaat Michigan aufgewachsen. Gab es dort in Ihrer Jugend denn noch Burlesque-Shows oder eine Szene, die sich für diese Form des einst in den Dreißiger- und Vierzigerjahren beliebten Unterhaltungstheaters interessierte?

Nein. Solche Szenen gab es allenfalls in New York und Los Angeles. Dorthin waren wir gezogen als ich fast noch ein Kind war. Und irgendwann als Jugendliche wollte ich nicht mehr das wohlbehütete Mädchen sein und fing an, diese Vintage-Stile aufzugreifen und mich entsprechend zu kleiden und zu frisieren. Als ich mich intensiver über die Stile informierte, fiel mir auf, dass die Models in den Männermagazinen der Dreißiger- und Vierzigerjahren sehr oft Burlesque-Tänzerinnen waren. So kam ich auf die Idee, beides zu tun, nämlich mich im Look und den Posen jener Zeit fotografieren zu lassen und mit diesen Fotos wiederum für meine Shows zu werben. Damals tanzte ich bei Parties in Clubs in der Gegend um Los Angeles, trat dann aber auch schon bei einem großen Fetisch-Festival in London auf. So entwickelte sich das. Außerdem hatte ich ja schon in den frühen Neunzigerjahren eine Website mit Pin-Up-Fotos gestartet, die sich erfolgreich verkauften.

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Und wie entwickelten Sie aus diesem Pin-Up-Business eine Show? In den klassischen Burlesque-Shows ging es ja nicht um Mode oder Fetische, sondern um Tanz und Erotik, Komik und Musik. Wollten Sie diese Tradition aufgreifen und in gewisser Weise in Nostalgie schwelgen?

Ich liebe diese Vielfalt alter Vaudeville und Varieté-Shows, deren Hauptattraktion aber dann doch der Striptease war. Mit meiner Kreativ-Partnerin Catherine D’Lish hatte ich schon im Jahr 2000 die Abmachung getroffen, dass wir keine Nostalgie-Shows konzipieren wollten, sondern Burlesque weiter zu denken, Showelemente einzubringen, die vorher undenkbar waren. Das haben wir seither definitiv getan. Wir wollten keine Wiederauflage der Vierzigerjahre, sondern die Weiterentwicklung dieser Darstellungsform. Sie sollte eine neue Generation ansprechen. Gewiss soll die Show glamourös sein, aber gewiss auch inklusiv und divers, vor allem hinsichtlich unterschiedlicher Gestalt der Körper oder unterschiedlicher Hautfarbe. Burlesque ist vermutlich die erste Kunstform gewesen, die dem Gedanken der Inklusion Raum gegeben hat.

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Mode und Kostüme spielen eine wichtige Rolle in ihren opulenten Shows wie nun „Glamonatrix“. Arbeiten Sie mit Modedesignern und Zeichnern zusammen oder entwerfen Sie selbst?

Das ist wie bei einem Puzzle. Ich habe eine festes Produktionsteam, das immer zum Einsatz kommt. Wir sind aber ein sehr kleines Team. Für die neue Show etwa habe ich meine Garage und meinen Hof zu einer Art Versuchslabor umfunktioniert. Mit 3-D-Druckern haben wir beispielsweise Modelle des Schmucks hergestellt. Und ja, ich arbeite mit Designern zusammen, doch hängt dies davon ab, was wir gerade tun möchten.

Glamouröse Ausstattung ist wichtig, doch ist Burlesque ja auch die Kunst, sich auszuziehen, dabei aber nicht alles zu zeigen. Unterstreicht der Einsatz all des Glitzers die erotische Wirkung?

Es geht gewiss um das Spektakel und die erotische Wirkung. Aber es ist ja eine spielerische Fantasie. Hier möchte ich mit meinen Shows ansetzen, solche Fantasien auf der Bühne Gestalt werden zu lassen. „Glamonatrix“ ist die größte Burlesque-Show, die es bisher gab, und sie soll das Publikum amüsieren. Etliche Zuschauer kommen auch entsprechend gekleidet, teils sehr exzentrisch, und freuen sich, dass sie sie selbst sein können. Eine Burlesque-Show kann also sehr inspirierend sein!

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Sie sind auf den großen Bühnen unterwegs. Vermissen Sie manchmal die Intimität der kleinen Clubs, die spezielle Atmosphäre?

Ich bin lange auf kleinen Bühnen aufgetreten und es war eine Herausforderung, in die Hallen zu wechseln, weil die ja eine ganz andere Optik der Shows verlangen. Die aktuelle Show würde daher gar nicht auf die Bühne des berühmten Crazy Horse in Paris passen, wo ich auch schon mehrmals aufgetreten bin. Und ich wollte ja große Burlesque-Shows machen, die übrigens in Amerika durchaus Tradition haben. Diese Shows wurden früher in den großen Theatern mit 3000 bis 4000 Plätzen aufgeführt. Meine Show hat nun wieder eine solche Größe und ich glaube, dass es dafür ein Publikum gibt, weil Burlesque schon lange nicht mehr nur ein Underground-Phänomen ist.

Dita von Teese ist mit ihrer Show „Glamonatrix“ am 8. Juni von 20 Uhr an in der Jahrhunderthalle Frankfurt zu sehen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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