Extremsportler Jonas Deichmann

In 14 Monaten um die Welt

Von Bernd Steinle
29.11.2021
, 19:16
Grenzgänger: Jonas Deichmann
Mit dem Fahrrad, schwimmend, laufend und mit Bart: Der Extremsportler Jonas Deichmann hat seinen Triathlon um die Welt erfolgreich beendet. Nun will er sich erholen – vorerst.
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Ein großes Abenteuer braucht einen großen Bart, niemand weiß das besser als Jonas Deichmann. Tatsächlich fehlt es ihm an beidem nicht. Als Deichmann am Montag nach München radelte, nach einem mehr als 14 Monate dauernden Triathlon um die Welt, nach 450 Kilometern Schwimmen, gut 21.000 Kilometern Radfahren und mehr als 5000 Kilometern Laufen, da fiel vor allem eines an ihm auf: der Bart. Er war ihm ein treuer Begleiter gewesen, beim Schwimmen half er gegen die Quallen, im russischen Winter gegen die Kälte, und beim Laufen durch Mexiko erinnerte Deichmann so mit seiner ausgebleichten roten „Bubba-Gump“-Mütze stark an den großen Vorläufer Forrest Gump – was ihn in Mexiko zur nationalen Bekanntheit machte. 117 Tage lief er von Tijuana im Westen nach Cancún im Osten, begleitet von Polizisten, Mariachi-Bands und teils mehr als 100 Followern, die ihm laufend folgten wie einst die Fans dem Filmhelden. Es sind auch Erlebnisse wie diese, für die Deichmann im September 2020 zu seiner Reise um die Welt aufgebrochen war.

Der 34 Jahre alte gebürtige Stuttgarter hatte zuvor schon drei Rekorde für die schnellsten Kontinentaldurchquerungen mit dem Fahrrad aufgestellt, von Portugal nach Sibirien (14.000 Kilometer in 64 Tagen), von Alaska nach Feuerland (23.000 Kilometer in 97 Tagen) und vom Nordkap nach Südafrika (18.000 Kilo­meter in 75 Tagen). Alles allein, ohne Hilfe von außen, ohne logistische Unterstützung, ohne Begleitfahrzeug oder Versorgungsteam. So puristisch, auf Solo-Tour, war er auch in den vergangenen 14 Monaten unterwegs. Beim Schwimmen entlang der Adriaküste, vom kroatischen Badeort Karlobag aus, zog er auf einem Floß sein Gepäck hinter sich her. Teilweise benutzte er noch ein zweites wasserdichtes Floß für Nahrungsmittel, weil die Versorgungslage entlang der Adriaküste schwieriger war als erwartet, wodurch die ausreichende Kalorienzufuhr in Gefahr geriet.

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Auf dem Rad ist er zu Hause

Nach 54 Tagen und täglich bis zu acht Stunden Schwimmen stieg er dann in Dubrovnik aus dem Wasser und wechselte auf das Fahrrad – was für ihn einer Heimkehr gleichkam. Auf dem Rad ist er zu Hause, das Langstrecken-Schwimmen war für ihn eher ein Ausflug in eine andere Welt. Schön, es mal probiert zu haben, sagte er hernach, aber: „Noch mal machen will ich das nicht. Ich bin und bleibe Fahrrad­fahrer.“

Anschließend radelte Deichmann durch Nordmazedonien und Bulgarien in die Türkei. Dort saß er erst mal fest. Die Einreisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie brachten seine Routenpläne durcheinander, Deichmann musste improvisieren. Schließlich erhielt er die Erlaubnis, durch die Ukraine und Russland zu fahren. Er bekam den sibirischen Winter zu spüren, mit Schnee und Eis, worauf er sich zuvor unter anderem in einer Kältekammer der Deutschen Bahn vorbereitet hatte. Am 17. Mai dann, nach 17.000 Rad-Kilometern, erreichte er die Stadt Wladiwostok an der russischen Pazifikküste. Eigentlich wollte er den Pazifik und später auch den Atlantik per Mitsegelgelegenheit überqueren, die Pandemie und die Hurrikan-Saison machten das aber unmöglich. So flog Deichmann nach Mexiko und von dort schließlich nach Portugal. Dann ging es mit dem Rad weiter. In Spanien traf er den Triathlon-Star Jan Frodeno, tauschte sich mit ihm über Extremerlebnisse aus und übernachtete in dessen Hotel. Dann radelte er über Frankreich (und den Mont Ventoux) und die Schweiz zurück nach München, wo er am 26. September 2020 gestartet war.

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Finanziert hat Deichmann sein Abenteuer durch Sponsoren und aus eigenen Mitteln. Seinen ersten Kontinentalrekord hatte der ehemalige Radrennfahrer noch als Angestellter im Jahresurlaub auf­gestellt, danach kamen die ersten Spon­soren, die ersten Vorträge. Deichmann erkannte die Chance, setzte alles auf eine Karte und machte sich selbständig. Seit drei Jahren lebt er nun von seinen Ex­tremreisen, über den Triathlon um die Welt berichtete er ausführlich auf seinen Kanälen im Netz, es gibt einen Dokumentarfilm und ein Buch dazu. Deichmann hat kein wirkliches Zuhause, ein Auto schon gar nicht, er ist ja sowieso die meiste Zeit unterwegs. Aber die Erlebnisse auf den Touren sind ihm das allemal wert – die Gastfreundschaft, die Hilfsbereitschaft, die Bekanntschaften, die unvergesslichen Momente.

Im August vergangenen Jahres, als er sich mit einem Triathlon um Deutschland auf die Runde um die Welt vorbereitete, sagte Deichmann angesichts der Un­sicher­heiten durch die Pandemie: „In den geplanten zehn Monaten werde ich es sicher nicht schaffen. Aber ob es zwölf oder 14 werden, ist diesmal nicht entscheidend.“ Nun sind es 14 Monate geworden. Am Montag hieß das letzte Etappenziel München, Odeonsplatz. Jetzt sind erst mal 14 Monate Erholung angesagt, ohne Bart und vorerst ohne Abenteuer. Am Ende aller Träume aber ist der Ausdauer-Extremist damit noch lange nicht. Die vielen Stunden unterwegs auf dem Rad, erzählte Deichmann im vergangenen Sommer, vertreibe er sich gern mit dem Planen neuer Abenteuer – „sonst fällt man in ein Loch, wenn man ein Projekt, auf das man ein Jahr hingearbeitet hat, erfolgreich abgeschlossen hat“. Dabei ist ihm offenbar auch jetzt wieder einiges eingefallen. Darüber reden will er noch nicht. Aber 2023 soll es losgehen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Steinle, Bernd
Bernd Steinle
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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