Forschung

Hundertjährige sind gut gestimmt

23.08.2013
, 13:49
Sie kochen, kümmern sich um ihr Aussehen und regeln ihre Geldangelegenheiten - die heutige Generation Ü-Hundert ist geistig und körperlich um einiges fitter als Gleichaltrige früherer Generationen. Das zeigte die zweite Heidelberger Hundertjährigen-Studie.

So alt will ich gar nicht werden, da ist man bloß noch gebrechlich und einsam - solche Sätze mögen manch einem durch den Kopf schießen, wenn in Zeitungen von einem 100. Geburtstag zu lesen ist. Aber Obacht bei solchen Annahmen, Wissenschaftler der Heidelberger Universität haben nämlich herausgefunden: Die Hundertjährigen von heute sind erstaunlich gut gestimmt. Obwohl jeder von ihnen über körperliche Beschwerden, vor allem Seh- und Hörminderungen oder Stürze, klagt, bewerten die meisten von ihnen ihr Leben als lebenswert. 80 Prozent von ihnen sind mit ihrem Leben zufrieden.

Für die „zweite Heidelberger Hundertjährigen-Studie“, deren erste Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden, haben Forscher in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 112 Hundertjährige aus dem Großraum Heidelberg nach ihren alltäglichen Herausforderungen und Aktivitäten, nach ihrer sozialen Einbindung und Lebensqualität befragt. Dabei hat sich gezeigt, dass für die Lebensqualität und Zufriedenheit von Menschen im sehr hohen Alter psychologische Stärken wie eine optimistische Einstellung und Lebenswillen wichtiger sind als die geistige Leistungsfähigkeit oder Gesundheit. Die Studie ist bereits die zweite ihrer Art. Schon im Jahr 2001 befragten Heidelberger Wissenschaftler Hundertjährige nach ihrer Lebenssituation. Durch die aktuelle Studie lassen sich die Ergebnisse nun vergleichen - und es hat sich einiges getan.

Selbständiger als frühere Generationen

Seit 2000 hat sich die Zahl der Hundertjährigen in Deutschland mehr als verdoppelt. Sie stieg von rund 6000 auf etwa 13.000. Und das Positive daran: Die heutigen Hundertjährigen sind geistig und körperlich fitter als Gleichaltrige frühere Generationen. Sie sind außerdem selbständiger. Mehr von ihnen sind heute beispielsweise in der Lage, alleine zu essen, sich um ihr Aussehen zu kümmern, zu telefonieren, Mahlzeiten zuzubereiten oder Geldangelegenheiten zu regeln. Doch diese Fortschritte sind nicht so ausgeprägt, dass sie sich in der Pflegebedürftigkeit niederschlagen. Rund 60 Prozent der Heidelberger Hundertjährigen leben in Privathaushalten, sie werden von Angehörigen und Pflegekräften unterstützt und greifen vor allem im Haushalt auf professionelle Hilfen zurück. 2001 lebten noch rund sieben Prozent mehr Hundertjährige in einem Heim. An dieser Stellen weisen die Heidelberger Wissenschaftler aber darauf hin, dass die Pflege durch die eigenen Kinder in Zukunft immer weniger realisierbar sein wird.

Übrigens, nach Einschätzung von Experten haben heutige Neugeborene in Industriestaaten eine Chance von 50 Prozent, ihren 100. Geburtstag zu erleben- vorausgesetzt, die Lebenserwartung steigt weiter wie bisher. Bestätigt sich dieser Trend, muss man demnächst wohl mindestens 110 werden, um etwas Erstaunen und eine Erwähnung in Zeitungen hervorzurufen.

Quelle: luci/F.A.S.
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