Obdachloser Sammler

„Eisenbahn-Reiner“ darf sein Spielzeug wieder ausstellen

Von Christopher Hess
06.10.2016
, 14:54
Reiner Schaad, besser bekannt als „Eisenbahn-Reiner“ sitzt mit seiner Spielzeugsammlung in einer Straße nahe der Frankfurter Zeil.
Reiner Schaad ist ein Obdachloser der besonderen Art: Vor sich baute er regelmäßig seine eigene kleine Welt auf. Doch dafür benötigt man in Frankfurt eine behördliche Erlaubnis.

Happy-End für „Eisenbahn-Reiner“: Der Frankfurter Obdachlose darf sein Spielzeug wieder an seinem Stammplatz nahe der Einkaufsstraße Zeil ausstellen. „Mit einem Augenzwinkern“ erteilte Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt, Klaus Oesterling, dem 45 Jahre alten Sammler am Donnerstag eine Sondernutzungserlaubnis.

Seit Jahren sammelt der Obdachlose Reiner Schaad Spielzeuge und präsentiert sie in der Frankfurter Innenstadt den vorbeiziehenden Passanten. Viele Anwohner kennen den fleißigen Sammler mit seiner deutschlandweit einmaligen Sammlung von Miniaturspielwaren.

Am liebsten lässt „Eisenbahn-Reiner“ seine Spielzeuge für sich sprechen, mit denen er eine eigene kleine Welt kreiert. Doch das wurde ihm vor einigen Wochen vorerst verboten. Das Ordnungsamt konfiszierte das Sammelsurium des Obdachlosen, weil keine Sondernutzungserlaubnis vorliege. Der Fall des obdachlosen Sammlers löste einen Sturm der Entrüstung in sozialen Netzwerken aus und Schaad bekam seine Spielwaren schließlich zurück. Und jetzt kommt es noch besser für ihn: Die Stadt Frankfurt erteilt ihm nun die Nutzungserlaubnis, die ihm damals fehlte. Die bunte Sammlung aus Playmobil, Schlümpfen, Modellautos und vielerlei Kleinkram stelle ein „kulturhistorisch bedeutsames Zeugnis der industriell gefertigten Warenwelt“ dar, schreibt das Verkehrsdezernat der Stadt Frankfurt am Main in einer Pressemitteilung.

Eine eigene Ausstellungsfläche

Und so darf Reiner Schaad seine jahrelang gesammelten Spielwaren wieder den Frankfurtern präsentieren, die durch die Fußgängerzone schlendern. „Eisenbahn-Reiner“ bekommt sogar eine eigens für ihn markierte Fläche zwischen zwei Bäumen in der Liebfrauenstraße nahe der Zeil, sein eigenes Revier, in dem er seine kleine Spielzeugwelt ausstellen darf. Schaad darf auch seinen Bollerwagen auf der gekennzeichneten Fläche abstellen, in dem er seine Waren aufbewahrt.

Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt, Klaus Oesterling sagte, er habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht. Ein entscheidender Punkt für seine Genehmigung sei gewesen, dass die Stadt den fleißigen Sammler bereits seit mehreren Jahre duldet. Auch das riesige Medieninteresse an dem obdachlosen Sammler in ganz Deutschland habe ihn positiv beeinflusst.

Quelle: FAZ.NET
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